Rezensionen

2025
Stefan Pieper, Klassik heute, 19.03.2025
Besprechung CD … Verso l'interno … von Christian FP Kram
Castigo 241031 CD • 67min • 2024
Läuft die intellektuelle Auseinandersetzung mit formalen Fragen von musikalischen Formen und Proportionen zwangsläufig auf abstrakte, manchmal esoterische L'art pour l'art hinaus? Wer bislang diese Vorstellung hatte, darf sich mit dem Hören dieser CD mit Werken des Komponisten Christian FP Kram eines Besseren belehren lassen. Aber was heißt hier schon belehren? Die Stücke, alle während der letzten 20 Jahre entstanden, werden hier durch fünf hochmotivierte Interpreten mit einer Unmittelbarkeit zum Klingen gebracht, als würden sie gerade erst im Moment des Spielens kreiert. Einer Reise in die Tiefen des Klangraums eines mächtigen Konzertflügels und in die Essenz des musikalischen Ausdrucks steht somit nichts mehr im Wege. So will es ja auch der Titel dieses Albums: „...verso l'interno..." – nach innen gerichtet. Das Credo dieses in Volkach, Unterfranken geborenen und an den Hochschulen in Essen, Düsseldorf und Leipzig ausgebildeten Komponisten lautet ja auch: „Kein Ton zu viel und jeder am richtigen Platz." Die Impressionen für Klavier (2006), fünf komprimierte pianistische Ansätze, eröffnen das Programm wie ein Skizzenbuch mit brodelnden Basstönen, über die sich eine modale Linie spannt. Ist das jetzt eher ein Rezitativ oder schon eine Jazzimprovisation? Man darf es ganz persönlich für sich definieren. Eine große Rolle in dieser Klangsprache spielen Resonanzphänomene – umso komplexer, je mehr Saiten im Klangraum des Flügels für ein breitbandiges Geflecht aus Schwingungen beteiligt sind. Anja Kleinmichel realisiert diese Effekte in erster Linie durch ein lange Gedrückthalten der Tasten nach dem eigentlichen Tonanschlag.
Im positiven Sinne eigen-willig
Einschlägige Formen aus der Musikgeschichte werden von Christian FP Kram raffiniert in neue Kontexte transformiert. Im vierhändigen Corale Recondito (1998) bleibt der choralhafte Gestus auch bei größter, neutönerischer Komplexität erhalten. Paola Rocca und Luca Marchetti meistern vierhändig die aufgefächerten Stimmbewegungen, polytonalen Reibungen und verspielten Muster. Die ewige Gültigkeit kontrapunktischer Verfahren – eben auch in zeitgenössischer Klangsprache – belegt das Stück GammaAccordo e ScalArmonia aus dem Jahr 2005. Tonleiter und Akkord, Tonfolge und Harmonie reagieren in dynamischem Wechselverhältnis miteinander, um an Dichte zu gewinnen. In positivem Sinne eigenwillig und überhaupt nicht epigonenhaft geht es zu, wenn sich Krams Musik mit einem anerkannten Komponisten des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt in den Deux Poèmes in memoriam Alexander Skrjabin (2015). Diesmal ist es der Pianist Alexander Meinel, der in seinem Spiel die duftigen und sinnlich funkelnden Klangbilder mit schwergewichtigen Ausbrüchen zu kontrastieren weiß.
Perkussive Wirkungen
Zwei Klavierstücke mit Morsecodes (2014) – „Pace!" und „Adesso!" – experimentieren mit rhythmischen Strukturen jenseits der traditionellen Klaviatur. Moritz Ernst trommelt phasenweise auf dem Gusseisenrahmen des Instruments. Die Morsezeichen für „Frieden!" und „Jetzt!" werden durch verschiedene Kompositionsverfahren erweitert, in immer neuen Tonhöhen rhythmisch verschoben, bis auch hier eine lyrische Textur im Raum steht. Die existentielle Dimension tritt im C. Z. – Requiem (2015) zutage, in dem eine raffinierte Reihen-Technik verblüffende perkussive Wirkungen freisetzt. Birgit Polter macht mit intensivem Spiel Schmerz und Verlust spürbar – ein emotional direktes Highlight der CD. Die frühen Drei Postludes (1995) setzen auf die Kraft des Einzeltons. Anja Kleinmichel verdichtet im dritten Teil ein vehementes, jäh abbrechendes Klanginferno.
Mit „...verso l'interno..." präsentiert Christian FP Kram eine aufschlussreiche Werkschau seiner kompositorischen Entwicklung und konnte sich hier auf kompetente Interpreten bestens verlassen. Die hervorragender Aufnahmequalität kommt ebenso den aufregenden Erkundungen auf dieser CD entgegen.
Interpreten der Einspielung
• Anja Kleinmichel (Klavier)
• Paola Rocca (Klavier)
• Luca Marchetti (Klavier)
• Alexander Meinel (Klavier)
• Moritz Ernst (Klavier)
• Birgit Polter (Klavier)
Schabel KULTUR-BLOG
CD – „…verso l´interno…“ Klavierwerke von Christian FP Kram – von der Tiefe des Wesentlichen
Veröffentlicht am: 7. Januar 2025 von Michaela Schabel
Die Tiefe lässt aufhorchen, schwingt nach trotz hoher Töne. Erst als diese sich zu Akkorden verdichten, setzt sich Helligkeit durch, wobei Harmonik ins Dissonante mutiert. Schon die erste Klavierimpression, keine zwei Minuten lang, macht…
Christian FP Krams Kompositionsprinzip in den ersten fünf „Impressionen für Klavier“ (2006) hörbar, „kein Ton zu viel und jeder am richtigen Platz“. Seit über 30 Jahren komponiert Kram zwei- und vierhändige Klavierwerke, in denen sich seine Klangwelten mit ihren spezifischen Tonhöhen, Rhythmen, Formen und Metren offerieren. Sehr kraftvoll und differenziert von Anja Kleinmichel und den anderen fünf PianistInnen interpretiert arbeiten sie die Kontraste von Ton und Melodie, Punkt und Linie als synergetisches Hörbild heraus, ganz nach Krams Intention „…verso l’interno…“, nach innen.
Kram lässt jeden Ton ausschwingen bis ins kosmische Rauschen, fühlt in die emotionalen Tiefen und Höhen hinein, verdichtet die Tonsphären zu einem akustischen Wirbelsturm, den das CD-Cover sinnbildlich durch das Auge eines Hurrikans visualisiert. Über komplementär aufeinander bezogene Quarten und Quinten bindet er an die klassische Musiktradition an, aber auch wie in der „Impression Nr. 5“ über rhythmische Akkorde an jazzige Elemente. Im Mittelpunkt steht auch hier der tiefe Ton, der sich zu Akkorden und Tonlinien aufbaut und sich final wieder in markante Einzeltöne auflöst, die das Eindringen in die Tiefe des Wesentlichen suggerieren.
Im vierhändigen „Corale Recondito“ (1998) wird Krams tonales Verständnis noch intensiver hörbar. Töne steigen auf und ab, hallen nach, indem die Taste losgelassen und stumm nachgedrückt wird. Im Wechselspiel von flirrenden, gegenläufig bitonalen Tonlinien über die ganze Tastatur und bis zu 12-stimmigen Dur- und Mollakkorden bilden sich subtile Toncluster, die durch das transparente Spiel von Paola Rocca und Luca Marchetti, die auch das folgende Stück interpretieren, faszinierende Klangwelten erschließen.
Schon über den Titel von „GammaAccordo e ScalArmonia“ (2005), zu deutsch Tonleiter-Akkord und Tonfolge-Harmonie“, erklärt Kram diese vierhändige, minimalistisch kontrapunktische Komposition. Tonleitern und Akkorde überlagern sich, gewinnen an Dichte wie von Schmetterlingen umflirrt. Alternierend zwischen akkordischer Wucht und immer länger dahineilenden Tonkaskaden entwickelt sich ein mitreißendes kontrapunktisches Spiel, in dem die Läufe eine faszinierende Plastizität entwickeln, die in lichter Höhe verklingt.
Ganz anders beginnen die „Deux Poémes in memoriam Alexander Skrjabin“ (2015) für Krams Verhältnisse auffallend zart. Sein Wechselspiel von wuchtigen Akkorden und glasklaren aufsteigenden und fallenden Tonlinien bekommt eine poetische Nuancierung und eine ungewohnt zarte Tonfärbung. Doch Kram ahmt nicht nach, mit seinen markanter Klangsprache mischt er Skrjabins Poesie auf. Pianist Alexander Meinel setzt beide Musikstile gekonnt um. Mit der unerwarteten Wucht eines Akkords zersprengt er lyrische Tonlinien, sich im zweiten Poem aus der Tiefe über harmonische und dissonante Akkorde trotz kontrapunktischer Erdung noch einmal in hohe Lagen hinaufarbeiten, sich zu einem filigranen Klangspiel verdichten und ganz sanft verklingen.
In „Pace!“ und „Adesso!“, „Zwei Klavierstücke mit Morsecodes“ (2014) experimentiert Kram mit rhythmischen Strukturen, den Morsezeichen für „Frieden!“ und „Jetzt!“ neben dem Tastenklang auf einen Gußeisenrahmen geklopft. Durch verschiedene Kompositionsverfahren erweitert in immer neuen Tonhöhen rhythmisch verschoben gelingt Moritz Ernst ein spannendes dialogisches Einfordern von „Pace“ und „Adesso“ (2014).
Schrill, grell, experimentell klingt Krams „C. Z. – Requiem für einen viel zu früh verstorbenen Freund“ (2015). Entstanden aus der Trauer um Carsten Zipfel kreist Krams Komposition mit nur einer 7-teiligen Tonreihe und 8-teiligen Klangreihe, zuweilen in Morsezeichen-Rhythmik um Schmerz und Verlust, wobei Birgit Polter in den kurzen Melodien melancholische Erinnerungen assoziieren lässt und in den konträren Tiefen und Höhen ein existentielles Hinterfragen.
Schwer und nachdenklich wirken auch die „Drei Postludes“ (1995), tonale Miniaturen, in denen Kram ganz auf die emotionale Kraft der Töne vertraut, die Anja Kleinmichel im dritten Postlude durch rasende Tempi verdichtet, durch eine lange Pause durchbricht, nochmals ein vehementes Inferno aufbaut, das plötzlich abbricht. Da müsste eigentlich noch etwas kommen. Ja, die CD mehr als noch einmal hören, um die existentielle Tiefe von Krams Musik noch intensiver zu erleben.
Christian FP Kram (*1968 in Volkach, Unterfranken) studierte Musiktheorie und Klavier an den Hochschulen in Essen, Düsseldorf und Leipzig. Er erhielt mehrfach Stipendien und war Preisträger diverser Kompositionswettbewerbe. Er besuchte Meisterkurse bei Wolfgang Rihm, Osvalldas Balakauskas, Paul-Heinz Dittrich, Gerhard Stäbler, Mathias Spahlinger, Folke Rabe und Dieter Schnebel. Von 2008 bis 2010 war er Beiratsmitglied für Musik und Darstellende Kunst der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. 2024 promovierte er über das Liedschaffen Wolfgang Rihms.
Kram komponierte die Oper „Leonce und Lena“, die „Rilke-Gesänge“ für Vokalquartett und Klavier (Uraufführung bei der Expo 2000 in Hannover), „Assoluto“ für symphonisches Blasorchester, den Orchesterzyklus „Etüden“, zahlreiche Lieder, Ensemble- und Kammermusik
Christian FP Kram „…verso l’interno…“ mit Anja Kleinmichel, Paola Rocca, Luca Marchetti, Alexander Meinel, Moritz Ernst, Birgit Polter, Label Castigo, DDD, 2023
2024
Robert Nemecek, Piano News 6/2024
Christian FP Kram: Verso L'interno
Castigo 24103
An dieser CD mit Klaviermusik des Leipziger Komponisten Christian FP Kram (*1968) ist so ziemlich alles ungewöhnlich. Ihre Entstehung verdankt sie der Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Projekts „Neustart Kultur“. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten nutzte Kram in erster Linie, dazu, um einen Teil seines im Laufe von drei Dekaden beträchtlich angewachsenen Klavierwerks aufzunehmen. Die dabei eingespielten Klavierstücke umspannen einen Zeitraum von 20 Jahren und warte mit einer stilistischen Bandbreite auf, die von „traditionell“ bis „experimentell“ reicht. In den „Deux poèmes – in memoriam Alexander Skrjabin“ ist die Musik des Russen einerseits als pures Material, andererseits in Zitatform präsent. Dort, wo Kram seine Fantasie freien Lauf lässt, kann das zu sehr störrischen Clusterfolgen führen, aber auch zu atmosphärisch dichten Passagen, in denen mit pianistischen Morsezeichen um Frieden, „Pace! Adesso!“, gebeten wird. Alle sechs anden Aufnahmen beteiligten Pianisten, darunter ein Klavierduo, spielen mit vollem Einsatz und bescheren dem Hörer ein ungewöhnliches Hörerlebnis. Im Beiheft findet man sehr erhellende Werkkommentare zu den Stücken sowie die Lebensläufe der Beteiligten. Allen Musikliebhabern, die für unkonventionelle Klavierklänge ein offenes Ohr haben, sei diese CD wärmstens empfohlen.
Claudia Helmert, Kreuzer Leipzig, Juli 2024, CD Rezension
Christian FP Kram »Verso l’interno« – Klavierwerke Castigo
Nach innen
Düster ziehen die ersten Anschläge der »Impressions« – eingespielt von Pianistin und kreuzer Redakteurin Anja Kleinmichel – in die neue Veröffentlichung »Verso l’interno« aus sieben Klavierwerken von Christian FP Kram. Den ersten Tönen wohnt eine bisweilen unheimliche und stets vereinnahmende Energie inne, die in ruhigen Momenten dazu einlädt, zu sinnieren, zu schwelgen, zu träumen. Die Welthaltigkeit, die Kram in seine Musik verwebt, zeigt sich deutlich in den beiden Stücken »Pace!« und »Adesso« aus dem Jahr 2014. Jene fügen sich nahtlos aneinander und fordern, übersetzt man die Titel, zu sofortigem Frieden auf. Die Melodien der beiden Soloklavierstücke (eingespielt von Moritz Ernst) erklingen auf einem scheinbar fernen, anfangs am Klavierkorpus geklopften Rhythmus, der eine vereinnahmende Weite suggeriert. Der Rhythmus gleicht Morsezeichen, die die emphatischen Stücktitel einmal mehr vermitteln. In anfänglich fragilen Höhen flirren, säuseln die Töne, die Melodie erstarkt zum Schluss. So hallt die Wucht, das Drängen des titelgebenden Imperativs wider. Das Album versammelt Kompositionen aus den Jahren 1995 bis 2015 und ist damit nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Schaffen des Wahlleipzigers, das neben etlichen Klavierwerken auch szenische und orchestrale Stücke wie Ensemble-, Chor- und Kammermusik umfasst. Ob in zarten, fragilen Momenten, wie etwa in »Deux poèmes – in memoriam Alexander Skrjabin« (2015), eingespielt von Alexander Meinel, oder mit stürmischen Impulsen wie den Akkordkaskaden im letzten Teil der »Three Postludes« (1995): Krams Klavierstücke klingen nach Musik gewordenen Introspektionen. Sie zeichnen eine düstere Stimmung, die selten verloren, weltabgewandt, sondern zumeist erzählerisch, nachdenklich tönt – und dem lauscht man gern und fasziniert.
Anja Kleinmichel, Kreuzer Leipzig, Juni 2024
Viel Musik und ein bisschen Tischtennis
Der Sommerferienkurs des Landesjugendensembles für Neueste Musik
„Es sind immer Leute dabei, die noch nie Kontakt zu zeitgenössischer Musik hatten, und es ist besonders schön zu sehen, wie normal alles innerhalb kürzester Zeit wird“, sagt Flötistin Elizaveta Birjukova, die das Landesjugendensemble für Neueste Musik 2021 ins Leben gerufen hat. Die Initiative geht in diesem Jahr mit dem Sommerkurs vom 29. Juni bis 6. Juli auf Schloss Colditz in die vierte Runde. „Im Mittelpunkt steht das spielerische Entdecken und Ausprobieren neuer Sprachmöglichkeiten mit dem eigenen Instrument zwischen Improvisation und neuen Kompositionen speziell für unser Ensemble“, beschreibt Birjukova den Ansatz des Projektensembles, das beständig wächst. (…).
Im Vorfeld des Kurses entsteht eine Komposition, die von den Teilnehmenden mit dem Komponisten zusammen erarbeitet wird. „In diesem Jahr gibt es ein neues Stück für uns von Christian FP Kram aus Leipzig“, so die Projektleiterin. Es gehe dabei um den Spagat zwischen Leuten, die ihr Instrument studieren, und Kindern, die noch nicht so sicher sind: „Genau das beschreibe ich den Komponisten – und dann entsteht vielleicht ein Stück mit einem anspruchsvollen Flötensolo und einem Bratschensolo oder auch zwei Stimmen, die nur lange Töne beinhalten, oder einer Geigenstimme, die zum Marimbaphon wechselt“. (…).
2023
Christina Meschgang, Serbske Nowiny, 19. März 2023
„Fernweh VI“ – Würdigung eines außerordentlichen Komponisten
Als sich vor sechzehn Jahren sorbische Musiker mit ihren Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern zum Projekt „Fernweh“ – Stysk za dalinu“ zusammenfanden, war Juro Metsk einer der Hauptinitiatoren und die Kollegen betrachteten ihn als ihren Spiritus rector. Das avantgardistische Schaffen im Stile der 2. Wiener Schule des im vergangenen Jahr verstorbenen sorbischen Künstlers hat im internationalen Vergleich weiterhin einen hohen Stellenwert. Die diesjährige Fortsetzung der Konzertreihe „Fernweh VI“ ist somit zur weiteren Inspiration für Komponisten geworden, die sich diesem Stil und der Ästhetik der Klassischen Moderne verschrieben haben. Juro Metsk ist mit dem musikalischen Material intelligent umgegangen und hat es dementsprechend sorgfältig ausgelotet. Dabei bot er keine trocken weiterentwickelte Materie an, sondern logisch aufgebaute Musikwerke. Vereinfachende Effekthascherei war ihm fremd. (…).
Auch Christian FP Kram, ein aus Bayern stammender und in Leipzig wirkender vielseitiger Musiker, bezieht sich in seiner Komposition „Sestetto in memoriam Juro Metsk“ direkt auf das Sestetto-Werk des sorbischen Komponisten – und das ebenfalls als Retrospektive mit dem zeitlichen Abstand eines halben Jahrhunderts. Mit sechs relativ kurzen Abschnitten strukturiert er seine Komposition sehr klar, was auch der Schaffensweise von Juro Metsk entspricht. Die einzelnen Abschnitte grenzen ab – oder aber setzen sie Zeichen zum Durchatmen und bilden so auch Raum für Neues und zugleich Verbindliches. Solistische Glockenklänge verstärken den Effekt der so ausgefüllten Atempausen. Und nicht zufällig wird ebenfalls auf die Sechs-Zahlsymbolik verwiesen: Die gleichen sechs Instrumente, die Metsk einsetzte, finden auch hier Einsatz. Gleichzeitig handelt es sich bei der diesjährigen Konzertreihe ja um „Fernweh VI“. (…)
Anja Kleinmichel, Kreuzer Leipzig, Januar 2023, CD Rezension
Christian FP Kram: Grenzschatten – Lieder Genuin
Vielfältige Klavierlieder
Der in Leipzig lebende Komponist Christian FP Kram stellt auf dieser CD seine Klavierlieder aus dem Zeitraum 2001 bis 2019 vor. Vielfältig wie die von ihm ausgewählten Texte sind seine Vertonungen derselben – Hesse und Nietzsche stehen hier neben drei Gegenwartsautoren – und provozieren mit ihrer Verschiedenartigkeit ein weites Spektrum an musikalischen Ausdrucksmitteln. So reichen die Vertonungen vom konzentriert Aphoristischen über filigran sich verlierende Momente und traditionellere Lied-Strukturen bis hin zu Krams typischen sich rhythmisch verdichtenden, insistierend fordernden Akkord-Repetitionen. Nietzsches Sentenzen werden sehr sparsam und konzentriert vertont, pointiert unterstützt die Musik hier die Sprache. Die Gedichte der Tschechin Katerina Rudcenkova (*1976) kreisen um Einsamkeit, Schlaf, Dämmerung und Finsternis. Kram lotet hier die Grenzen des Tonumfangs einer Baritonstimme aus und fordert im Sinne extremen Ausdrucks vom Interpreten gelegentlich auch das Verlassen der sängerischen Komfortzone. Der ergreifenden Sprachgewalt und Dramatik der Texte des irakischen Dichters Sargon Boulus (1944–2007) liegen politische Vorfälle und menschliche Extremsituationen zugrunde. Kram inszeniert sie für Mezzosopran musikalisch zerklüftet, fast rezitativisch und dynamisch weit aufgespreizt. In den Hesse-Vertonungen für Mezzosopran und Klavier durchwandern stille Linien ruhig den aufgedehnten Zeit-Raum. Kevin Perryman (*1950) ist ein in Bayern lebender, britischstämmiger Lyriker. Im Zyklus „Eingeschneit“ erscheint im Lied „Teppich“ in fast klassischer Manier dann sogar einmal eine ganz schlichte Gesangslinie über einem sanften Teppich aus Akkorden. Überhaupt gibt es hier viele beständige Texturen, die den einzelnen Liedern prägnanten Charakter verleihen. Die fünf Liederzyklen werden von zwei Liedduos interpretiert. Bariton Christopher Jung ist mit dem Pianisten Jan Roelof Wolthuis und Mareike Schellenberger, Mezzosopran, gemeinsam mit Olivier Lechardeur am historischen Steinway in der Leipziger Grieg-Begegnungsstätte zu hören. Beide Gesangspartien werden farbenreich, hochexpressiv und mit berührender textlicher Eindringlichkeit dargeboten.
2022
Reiner Zimmermann, Allgemein Features Rezensionen, 8. November 2022
Musik in Dresden, Ensemble vocal modern: „In memoriam Heinrich Schütz“
24. September, Himmelfahrtskirche Dresden-Leuben
Als Ouvertüre außerhalb des Heinrich-Schütz-Festes bot das Ensemble vocal modern unter der Leitung von Christfried Brödel ein Konzert zeitgenössischer Chorkompositionen, die ausschließlich für diesen Anlass entstanden sind – als eine kulturelle Aneignung des Schützschen Werkes, wie es Komponisten im Jahr 2022 hören und lesen. Der Sächsische Musikbund e. V. war Projektträger der Veranstaltungen in Leipzig, Dresden und Magdeburg. Im Jubiläumsjahr liegt es auf der Hand, dass die einmaligen Chorkompositionen des langjährigen Dresdner Hofkapellmeisters nicht nur verstärkt erklingen, sondern dass einige Komponisten sich auf diese Kunst einlassen und sie befragen, was sie uns heute zu sagen hat. Deshalb war dieses Programm ganz im Sinne des Jubilars, der zu seinen Lebzeiten alle Anregungen aufgeschlossen aufgenommen hat. Ausgangswerke waren sowohl frühe, noch in der Lehrzeit in Venedig 1611 entstandene Madrigale als auch Motetten aus der „Geistlichen Chormusik“ von 1648. Die Annäherung der zeitgenössischen Komponisten ließ hören, dass der Schützsche Chorklang mit allen seinen Dissonanzen und Auflösungen im harmonischen System durchaus heute noch Anwendung findet, wie den beiden klangvollen Stücken aus Thomas Buchholz' „Geistlicher Chormusik 2022“, „Der Fährmann“ und „Choral I“: ein spannungsvolles Spielt mit Dissonanzen.
Eine direkte Auseinandersetzung mit der Motette „Die mit Tränen säen“ beschrieb die litauische Komponistin Diana Cemeryte, die sich im Februar mit dem Text und der Komposition befasste, als der Krieg in der Ukraine ausbrach. Dieses Ereignis nahm ihr die Energie, welche sich Schütz trotz des Dreißigjährigen Krieges bewahrt hatte, und sie brach ihr Werk ab und konnte es nur noch mit gestaltlosen Textfragmenten beenden.
(…)
Ein lehrreicher Vergleich erklang abschließend: „Frieden“ von Christian FP Kram und Schütz' Bitte „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Dessen Motette ist kurz und prägnant. Sie kommt mit wenigen, höchst einprägsamen Motiven aus. Im Gegensatz zu dieser knappen Form bediente sich Kram aller dieser Motive ausführlich im Wechsel von originaler Diktion und weiterführenden Paraphrasen. Das Anliegen war klar: es war die Bitte um Frieden, die in vielen Wiederholungen erklang.
Dresdner Neueste Nachrichten, 4. Mai 2022
Zum 100. von Iannis Xenakis
Konzert des Sächsischen Musikbundes
Im Rahmen des XenakisCloud Festivals 2022 lädt der Sächsische Musikbund heute, 19.30 Uhr, zu einem Konzert in den DenkRaum Sophienkirche in Dresden ein. Anlässlich des 100. Geburtstages von Iannis Xenakis musizieren Regine Müller (Violine) und Miguel Blanco Puente (Violoncello) Werke von Iannis Xenakis, Christian FP Kram, Tobias Schick, Friedemann Stolte und Knut Müller.
Das Programm ist einem der bedeutendsten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet. Xenakis, dessen interdisziplinäres Werk einen seit Jahren anhaltend großen Einfluss auch auf die junge Musikergeneration (bis in den Bereich des Jazz und der Elektronischen Musik) ausübt, entwickelte seine Kompositionen mit Hilfe mathematischer Modelle. Oder seinen Werken liegen visuelle Vorstellungen zugrunde, die er in musikalische Partituren oder elektroakustische Klänge verwandelt. Die gegenseitige Durchdringung von Musik, Architektur, Elektronik und Mathematik bestimmte sein Schaffen. (…).
Michael Zwenzner, Neue Musikzeitung, Dezember 2021, Januar 2022
Neue Partituren
| Komponist, Titel, Verlag | Stilrichtung, all. Charakter | Form, Struktur | Notation, Dauer, Schwierigkeit | Kommentar |
Christian FP Kram (*1968)
Sax-Quartett (2012/18) für Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon H.H. Musikverlag Würzburg, CK051A (Partitur) | Einfacher, spieltechnisch durchweg konventioneller, harmonisch atonaler Stil mit klar gegliedertem Formverlauf, der sich global als Prozess dynamischer, temporaler, expressiver Intensivierung darstellt, wobei ostinate Ton-, Akkord- oder Motiv-Wiederholungen fast durchweg prägend erscheinen. | Langsame Einleitung und vier textural eigenständige Episoden, die erst bestimmte Bewegungsideen verfolgen, sich dann verstärkt melodischen Fakturen zu homophoner Begleitung zuwenden. Häufig treten additive oder subtraktive Prinzipien in Kopplung verschiedener musikalischer Parameter auf. | Herkömmliche Notation
Dauer: ca. 10 min.
eher leicht | Atmosphärisch gelungene Passagen und manch aparte Klangwirkung; für Musiker, die sich an modernere Idiome herantasten wollen eine gute Gelegenheit. |
Leipziger Volkszeitung, Tagestipp 9. Februar 2022
West-östliche Annäherungen
Goethes „West-östlichen Divan“ hat sich der Sächsische Musikbund vorgenommen. Zu der Gedichtsammlung von 1819 haben Komponisten von heute Stücke für Streichorchester und Bariton verfasst, die am heutigen Mittwoch in der Katholischen Kirche Schönefeld, Ossietzkystraße 60, uraufgeführt werden. Um 19.30 Uhr beginnt das Konzert unter dem Titel „Annäherungen“ mit dem Mendelssohn Kammerorchester Leipzig und Claus Cornelius Straßner (Bariton). Die Leitung hat Anna Shefelbine. Die sechs Stücke von Friedemann Stolte, Thomas Stöß, Christian FP Kram Matthias Drude, Christian Diemer und Knut Müller widmen sich jeweils einem Gedicht aus Goethes Sammlung, die schon früher Komponisten wie Arnold Schönberg inspirierte.
2020
Martin Schmidt, Sächsische Zeitung, 17. Oktober 2020
Oboe, Klavier und Cello im Trialog
Neue Kompositionen sind am Sonntag im Schloss zu hören.
Ein Konzert mit Neuer Musik für Oboe, Cello und Klavier unter dem Titel „Absolutes?!“ gibt es am morgigen Sonntag, dem 18. Oktober, ab 16 Uhr im Schloss Hoyerswerda am Schloßplatz 1 zu hören.
Seit mehreren Jahren gestaltet der Komponist Christian FP Kram (Leipzig) mit Partnern Konzerte moderner Musik sächsischer und auswärtiger Komponisten – gemeinsam mit dem Hoyerswerdaer Kunstverein. Junge Musikwissenschaftler und Musikschöpfer unserer Tage begleiten die Konzerte mit Hinweisen zur Entstehung, zum Leben und Wirken der Komponisten, die an den Konzerten teilnehmen.
Es erklingen Kompositionen von Dirk Fischbeck, Jürgen Dietze, Albert Breier, Dankward Pfeiffer, Peter Helmut Lang, Christian FP Kram, Thomas Stöß und Reinhard Pfundt. Dargeboten werden sie von Jürgen Dietze (Oboe), Fumiko Takano (Klavier) und Michael Pfaender (Violoncello).
Roland H. Dippel, Leipziger Volkszeitung, 19./20. März 2020
Format der unbegrenzten Möglichkeiten
Das Kairos Quartett mit Neuer Musik im Oberlichtsaal der Leipziger Stadtbibliothek
Zwei Trümpfe kann das in seiner fast 25-jährigen Geschichte der Gegenwartsmusik spezialisierte Kairos Quartett ausspielen. Bei allen Konzerten wirkt das Neue organisch und selbstverständlich.
(…)
Einen Beweis dafür erbrachte das Konzert „1heit – 4fach“, das der Sächsische Musikbund wegen der Pandemie vom geplatzten Termin am 15. März um ein halbes Jahr verschieben musste.
Der Oberlichtsaal der Stadtbibliothek hat auch bei durch Hygienekonzept ausgedünnter Bestuhlung eine exzellente Akustik und ermöglicht atmosphärisch verdichtete Konzentration. Die Streicherstimmen fluten hier klar und sonor. Diese Akustik begünstigt die sinnliche Deutlichkeit und das fein ausdifferenzierende Gestaltungsvermögen des Kairos-Quartetts.
(…)
Den größten Erfolg des Abends hat bei den Zuhörern „dualistisch“ (2010/11) von Christian FP Kram (geboren 1968). Auch bei ihm gehört der Wechsel von Dynamik und still werdender Gestik zum strukturbildenden Plan.
(…)
Großer Applaus.
Wolfram Quellmalz, Dresdner Neueste Nachrichten, 16. März 2020
Fast normal
Das Kairos-Quartett eröffnete eine Ausstellung im Kunstraum Pillnitz mit einem Konzert
Es war wohl eine der vorerst letzten kulturellen Veranstaltungen in der Umgebung: Am Sonnabend eröffnete die Ausstellung der Künstlergruppe KingKonkret (u. a. Knut Müller, Dirk Richter, Susanne Werdin) in der Galerie Kunstraum Pillnitz. Und obwohl die für gestern und heute geplanten Auftritte des beteiligten Kairos-Quartetts in Chemnitz und Leipzig abgesagt werden mussten, kam keine „Endzeitstimmung“ auf, denn Werke und Musik waren ganz im Jetzt und Hier verankert und überzeugten durch lebendige Impulse gedanklicher und emotionaler Art – was überwog, konnte jeder individuell erfahren.
(…)
Insgesamt sechs ganz unterschiedliche Quartette durchloteten Wolfgang Bendler und Stefan Häussler (Violinen), Simone Heilgendorff (Viola) und Claudius von Wrochem (Violoncello). Einen gemeinsamen Nenner fanden sie wohl in strukturellen Betrachtungen, der Zerlegung eines Ganzen in seine elementaren Bestandteile und das neu Zusammenfügen (was man in manchen der Bilder wiederfand).
(…)
Die „Strukturarbeit“ blieb bei Thomas Buchholz' „Krunk“ und Gabriel Iranyis komplexem Streichquartett Nr. 5 bestimmend. Oder bei Christian FP Krams „dualistisch“, das mit klaren Kontrasten und hell-dunkel-Effekten aufwartete.
(...)
2019
Leipziger Volkszeitung, Tipp des Tages 17.09.2019
Schweizer Saxophonquartett zu Gast in Leipzig
„Saxchs4“ – Neue Musik für Saxophonquartett“ ist der Titel eines Konzertprojektes vom Konus Quartett (Bern). Das Konzert findet am heutigen Dienstag, ab 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek, Wilhelm-Leuschner-Platz 10/11 statt. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Georg Friedrich Haas, Christian FP Kram, Rainer Lischka und Henri Pousseur. Veranstalter ist der Sächsische Musikbund e. V., der jährlich circa 15 bis 20 Konzerte mit zeitgenössischer Musik in ganz Sachsen organisiert.
Christine Neudeck, 6. April 2019
Konzert Fernweh V – Sorbische und deutsche Dichtung
Eine Konzertreihe des Sächsischen Musikbundes mit dem Titel „Fernweh V“
Musik ist grenz- und sprachüberschreitend. Das wurde mit dem kleinen, aber feinen Konzert des Sächsischen Musikbundes in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Sorbischen Nationalensemble Bautzen, der Stadtbibliothek Leipzig, dem Verein für Neue Musik in Mecklenburg-Vorpommern und dem Hoyerswerdaer Kunstverein klangvoll deutlich.
(…)
So wurden Gedichte von Róza Domascyna, geschrieben in sorbischer und deutscher Sprache, von Juro Metsk vertont, ebenso von Malte Hübner, von Birger Petersen gemeinsam mit Andreas Pieper und von Jan Cyz. (…).
Der Komponist Christian FP Kram, der Organisator der Fernweh-Projekte, war mit einem „Requiem für einen viel zu früh verstorbenen Freund“ in einer Klavierfassung zu hören, die mit sehr ungewöhnlichen Klavierpassagen an den Kampf mit dem Krebstod erinnert, aber gleichzeitig „ein klingendes Gedächtnis“ bleibt, für den Freund.
(…)
Martin Harth, MainPost, 11. März 2019
Kaum vertraute Klangwelten erkundet
„New ears“-Projekt mit zeitgenössischer sinfonischer Blasmusik: 200 Zuhörer erlebten beim Benefizkonzert (…) ungewöhnliche Kompositionen
Marktheidenfeld. Es war nicht zu viel versprochen. Am späten Sonntagnachmittag ging es nicht nur draußen, sondern auch in der katholischen Pfarrkirche St. Joseph bisweilen etwas stürmisch zu. Pastoralreferent Alexander Wolf hatte rund 200 Gäste zu einem ungewöhnlichen Hörerlebnis mit dem Windband-Projekt „New ears“ bei einem Benefizkonzert (…) begrüßen können.
Ungewöhnlich, weil sich das von Komponist Hubert Hoche und Dirigent Michael Geiger an der städtischen Musikschule Wertheim angesiedelte Projekt-Orchester ausschließlich dem Schaffen zeitgenössischer Komponisten widmen wollte. Dies stehe, so bedauerte Wolf, heute leider sehr im Schatten der musikalischen Tradition, wobei gerade die sinfonische Blasmusik dabei noch am ehesten eine kleine Ausnahme mache.
(…)
Unter den Gästen des Konzerts befand sich mit Christian FP Kram (geb. 1968) ein weiterer zeitgenössischer, deutscher Komponist, der eine Aufführung einer eigenen Schöpfung durch das Projektorchester miterleben konnte. Der heute in Leipzig beheimatete gebürtige Volkacher griff für sein „Nachtstück“ für Blasorchester ein fränkisches Schlaflied auf und setzte das Motiv zu umrahmenden Trommelschlägen, was die Musiker unter Geigers Leitung recht überraschend zu gestalten wussten.
2018
Anka Sommer, Neue Musikzeitung, 11/2018
Ergreifendes mit dem Bärmann-Trio
Studio Neue Musik am 6. Oktober in der Schwartzschen Villa in Steglitz
Unter dem Titel „Separate Realms“ hatte der Leiter des Studio Neue Musik des Deutschen Tonkünstlerverbandes Berlin e. V., Dr. Gabriel Iranyi, ein Konzert mit Auftragskompositionen zusammengestellt, das von ihm – initiative neue musik berlin e. V. – und dem Kulturamt Steglitz-Zehlendorf gefördert wurde – ein lohnendes Unterfangen.
Das Bärmann Trio gehört international zu einem der profiliertesten Klarinettentrios, bestehend aus Sven van der Kuip (Klarinette), Ulrich Büsing (Bassklarinette) und John-Noel Attard (Klavier). Alle acht Kompositionen hatten eine sehr persönliche eigene Idee, die die anwesenden Komponisten aus Berlin, Sachsen und Thüringen im Vorfeld erläuterten. Dieses Wissen half dem Zuhörenden, die Gedanken, die in der Musik verarbeitet waren, besser nachzuvollziehen.
(…)
Christian FP Kram, mehrfacher Stipendiat unter anderem wegen seines Zusatzstudiums „Elektroakustische Komposition“, präsentierte „Zwiegespräch“ von 2010 für zwei Klarinetten.
Joachim Buch, Clarino 63, Februar 2018
BACH ALS BASIS
„Choral-Reflexionen“ von Christian FP Kram
„Choral-Reflexionen“ ist Christian FP Krams Blasorchester-Erstling und wurde für Ernst Ostreicher und das Nordbayerische Jugendblasorchester komponiert. Die Uraufführung fand 2006 im Rahmen des Festivals PantaRhei in Würzburg statt.
Krams akademische Ausbildung begann an der Berufsfachschule für Musik (…) in Bad Königshofen, die bereits damals unter Leitung des auch heute noch amtierenden Ernst Ostreicher stand. Da in dieser zweijährigen Schulzeit der Bach-Choral-Satz ein zentrales Element des Tonsatzunterrichts war, spielte dies auch für den späteren Tonsatz- und Kompositionsstudenten eine zentrale Rolle. Als „tägliches musikalisches Zähneputzen“ habe er sich fast jeden Tag einen Choral kurz vorgenommen, eine Stimme gesungen, die anderen Stimmen auf dem Klavier gespielt. „Dabei bin ich auf viele interessante Eigenheiten und Kühnheiten gestoßen“.
Kram erzählt über die Entstehung: „Als ich die Gelegenheit erhielt, im Rahmen des Festivals PantRhei für das Nordbayerische Jugendblasorchester ein Stück zu komponieren, lag die Entscheidung, einen Bach-Choral als Basis-Material in dieses Stück zu integrieren, schnell auf der Hand. Bei vielen Kompositionen interessieren mich formale Dualismen, das heißt innerhalb eines Formteils werden gegensätzliche Strukturen mehrfach miteinander kontrastiert. Speziell in diesem Stück interessierte mich überdies die sogenannte „Filter-Technik“, das heißt, ein diffuses, dichtes Klangmaterial wird nach und nach oder schnittartig gefächert. Diese zwei Strukturmerkmale wollte ich ebenfalls in diesem Stück verwenden.“
(…)
Im ersten Teil der „Choral-Reflexionen“ werden über zwei Oktaven gespannte chromatische Cluster nach und nach gefiltert und münden dann in einzelne Choral-Zeilen des Bach-Chorals „Herr nun lass in Friede“ (BWV 337). Diese werden immer von einem homogen besetzten Quartett gespielt (drei Klarinetten, Bassklarinette; je zwei Oboen und Fagotte; Saxophonquartett AATB; je zwei Trompeten und Posaunen; zwei Flügelhörner, Bariton und Tuba). (…).
Im zweiten Formteil (…) taucht das Choralthema nicht auf. Gemäß dem oben erwähnten Dualismus-Prinzip kontrastiert der Komponist hier zwei unterschiedliche Strukturen:
• eine homophone Akkordschicht in Achtel-Repetitionen (vier Septimen werden nach und nach übereinandergeschichtet)
• eine einstimmige Triolenmelodie
Dabei verschiebt sich die Länge der kontrastierenden Teile. Die Akkordschicht wird immer kürzer, die Melodieschicht immer länger. (…)
Nach einer Generalpause in Takt 108 beginnt der dritte Formteil (…), der ebenfalls nach dem Dualismus-Prinzip funktioniert.
Eine siebenstimmige Akkordschicht erscheint in drei Formen:
a) als Liegetöne (…)
b) als Repetitionskette (..)
c) sukzessive, in gebrochener Art (…)
Diese Akkordschicht wird ergänzt durch kirchentonale Skalen (…), welche als Cluster geführt werden (…).
In der Mitte diese Abschnitts (…) erklingen über tiefen, synkopisch repetierenden Blech-Akkorden erneut einzelne Choral-Zeilen in Posaunen und Trompeten sowie Kirchentonleitern im Diskant, diesmal allerdings in Oktaven geführt.
Der vierte Formteil (…) ist dreiteilig (aba) angelegt und ist ohne thematische Bezüge zum Choral. In den Außenteilen erscheint ein Thema (plus Umkehrung), das sich aus dem Namen des Komponisten ableiten lässt. Es wird grundiert von einer achtstimmigen Repetitionskette, deren Notenwerte sich zu Beginn des Abschnitts vergrößern (retardierend) und gegen Ende verkleinern (accelerierend). Starke ffp-Akzente, mit denen nach und nach ein Cluster aufgebaut wird, leiten über zum Zentrum des Abschnitts. Dort geht es wieder um Filterungen – von chromatischen Clustern schnittartig hin zu Dur-/Mollakkorden. So entsteht eine mediantische Akkordfolge. „Dieses Phänomen hat mich schon in meiner Zeit in Bad Königshofen sehr beschäftigt und gefesselt“, so der Komponist.
Im abschließenden fünften Formteil (…) wird der Bach-Choral in sich steigernder Dynamik und Instrumentation zitiert.
Joachim Buch, Clarino 63, Februar 2018
Zum 50. Geburtstag von Christian FP Kram
HERAUSFORDERUNG
Für Amateure zu schreiben sei immer eine Gratwanderung, sagt Christian FP Kram, der als einer der wenigen Musiker mit klassischem Kompositionsstudium schon eine Handvoll Werke für Blasorchester zu Buche stehen hat (…).
Nach dem Abitur nahm er ein Studium an der unterfränkischen Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen auf. Verschiedene Konzerte dort haben ihn sehr begeistert. „Dazu kam mehr und mehr der Drang, zu verstehen, wie Musik gebaut ist. Dies führte mich dann zum Tonsatzstudium und dies dann wiederum zum Kompositionsstudium“. Diese absolvierte er an der Folkwang-Hochschule in Essen und an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. (…). Vom Tonsatz- ging es fast automatisch zum Kompositionsstudium. Nachdem Kram viele Stücke „im Stil von“ geschrieben hatte und dabei die jeweilige Sprache sehr intensiv durchdrungen habe, reichte ihm dies irgendwann nicht mehr aus. „Der Entschluss, ein Kompositionsstudium anzuschließen, ergab sich dann von alleine“. Zu seinen Lehrern gehörte neben Manfred Trojahn an der Hochschule auch Wolfgang Rihm, bei dem er einen Meisterkurs in Luzern besucht hatte. Kram erinnert sich mit Begeisterung daran: „Man spielte ein Stück vor – alle lugten in die Partituren – und man hatte den Eindruck, dass Rihm nach einmaligem Hören das Stück vollkommen verinnerlicht hatte. Er gab dann verschiedene Hinweise, die von diesem tiefen Verständnis geprägt waren“.
Sein nach eigener Ansicht erstes vollwertiges Stück schrieb Kram während des Kompositionsstudiums bei Trojahn. „Drei Postludes“ für Klavier. Markenzeichen ist eine vielstimmige Harmonik, wie sie auch in einigen Passagen seines in dieser Ausgabe vorgestellten Blasorchester-Erstlings „Choral-Reflexionen“ zum Tragen kommt. Kram bezeichnet dies als den prägendsten Parameter in seinen Kompositionen.
Näheren Kontakt mit dem Medium Blasorchester erhielt Kram durch seinen Freund Hubert Hoche, selbst Komponist und Verleger. „Er hat dieses Feld ja sehr stark beackert“. Da er das Nordbayerische Jugendblasorchester 2006 in das Festival „PantaRhei“ integrierte, konnte in diesem Rahmen die Uraufführung der „Choral-Reflexionen“ stattfinden.
Fragt man Komponisten nach eventuellen Problemen beim Schreiben von technisch einfacheren Werken, dann hört man oft die Redensart von der „Schere im Kopf“. Kram verwendet diese Worte zwar nicht, beschreibt jedoch das Problem auf andere Art. „Es ist oft sehr schwierig, die eigenen Ansprüche – bei mir kommt noch die reichhaltige Harmonik hinzu – mit reduzierten technischen Mitteln umzusetzen. Bei der „Filterschaukel“ und dem „Nachtstück hatte Ernst Ostreicher ein strenges Auge darauf gehabt. Bei der „Filterschaukel“ war sicherlich die Grenze im Reduzieren der persönlichen ästhetischen Ansprüche erreicht. Sie ist fast überschritten.“
Das Verhältnis zwischen Blasorchesterszene und der sogenannten E-Musik ist für Kram aber deshalb nicht zerrüttet. „Eventuell vorhandene Vorurteile kann man immer durchs Machen abbauen. Man muss sich der Herausforderung stellen und das Publikum damit konfrontieren. Das erfordert Mut der verantwortlichen Dirigenten und Programmmacher“.
2017
Anja Kleinmichel, Kreuzer Leipzig, Dezember 2017
Konzerttipps des Monats
… Innerhalb der Grafik-Ausstellung Versus-Monteverdi lädt die Galerie Hoch+Partner am 15. Dezember um 19.30 Uhr zum Konzert mit dem Ensemble El Perro Andaluz ein. Zwischen Hochdrucken von bildenden Künstlern der Region sind Uraufführungen von vier Komponisten zu hören, die sich ebenfalls Monteverdi widmen: Eric Busch, Knut Müller, Christian FP Kram und Steffen Reinhold.
Mosei Boroda, Neue Musikzeitung, 11/2017
„Die Andere Moderne“
Am 3. September fand in Lorsch im Nibelungensaal des historischen Rathauses ein besonderer Wettbewerb statt
Der vom Heidelberger Komponisten und Pianisten Martin Münch, … , ins Leben gerufene bundesweite Klavierkompositionswettbewerb „Die Andere Moderne“ ist in mehreren Hinsichten etwas Besonderes.
Erstens: Die Idee, in einer festlichen Veranstaltung Musik darzustellen, die sich von der „supermodernen Tonsprache abgrenzt, trotzdem aber zeitgenössisch bleibt, erweitert die stilistischen Grenzen des „zeitgenössisch Zugelassenen“ im Musikkomponieren – ohne sie ganz zu sprengen! – und unterstützt somit Komponisten und die Musikentwicklung im Allgemeinen. Zweitens: Musik darstellen zu lassen, die unmittelbaren „Einzug in die Seele des Zuhörers“ findet, ohne sich ganz einfacher Ausdrucksmittel bedienen zu müssen, bedeutet zu zeigen, dass es eine Verbindung gibt zwischen der „quasi-traditionellen“ und der „sehr modernen Musiksprache beziehungsweise dem jeweiligen Musikdenken.
… und besonders apart, der Leipziger Christian FP Kram mit einem freitonalen „Poème in memoriam Alexander Skrjabin“ …
2016
November 2016 nmz 11/16
Neue Partituren,
durchgesehen von Max Nyffeler
| Komponist, Titel, Verlag | Stilrichtung, all. Charakter | Form, Struktur | Notation, Dauer, Schwierigkeit | Kommentar |
Christian Kram Pace! Adesso! Zwei Klavierstücke mit Morsecodes Hubert Hoche Musikverlag CK061
| Interessanter Fall: Morsezeichenfolgen dienen als rhythmische Bausteine, die geschickt in den Klaviersatz integriert werden | Statische Pulsationen, oft auf einem Ton, kontrastieren mit der langsam sich verändernden Harmonik. Klangspektrum vom Perkussionseffekt bis Akkordrepetitionen. | Notiert auf 2 bis 4 Systemen, gut spielbar ca. 11 Minuten | Aus den minimalistischen Elementen entstehen große formale Bögen und klanglich abwechslungsreiche Verläufe. |
Schweinfurt, Stadt-Kultur-Themen, Donnerstag, 27.Oktober 2016
Zum 400. Todestag von Shakespeare – Lieder und Madrigale
Schweinfurt (kim) Lieder und Madrigale der Shakespearezeit zum 400. Todestag von William Shakespeare präsentiert die „Klanglandschaft Mainfranken“ mit dem Konzert „Was ich bin, lehrt mich die Not erkennen“ am Montag, 7. November um 19.30 Uhr in der Rathausdiele.
…
Als Höhepunkt und als Kontrapunkt zu den originalen Textvertonungen ist nach der Pause eine Uraufführung des in Franken geborenen und in Leipzig lebenden Komponisten Christian FP Kram zu hören. Er stellt ein Werk vor, das sich auf neue Art mit Texten Shakespeares auseinandersetzt.
Anja Kleinmichel, Kreuzer Leipzig, Oktober 2016
Pantomine, Blockflöte und Akkordeon
…
Ungeahnte klangliche Berührungspunkte zwischen Schlagzeug und Blockflöte offenbart das Konzert „Points of Contact“ am 26.10. um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Leipzig. Philipp Lamprecht am Schlagzeug und Blockflötistin Anne-Suse Enßle erweitern fortwährend das Repertoire für ihre außergewöhnliche Besetzung: Sie geben neue Werke in Auftrag, arbeiten mit verschiedensten Komponisten und anderen Künstlern zusammen, komponieren auch eigene Stücke und improvisieren gemeinsam. Im intimen kammermusikalischen Zusammenspiel bringen sie Uraufführungen und neue Werke von Antoine Daurat, Richart Röbel, Tobias Eduard Schick, Christian FP Kram, Achim Bornhöft und Fausto Romitelli ebenso zu Gehör wie kurze mittelalterliche Musikstücke.
...
Anja Kleinmichel, Kreuzer Leipzig, September 2016
Eisenberg, Schokolade und Musik zum Tanz
Popkorn im Kino, Bier zum Fußballspiel, Knabberzeug zum Fernsehabend gehören offenbar zusammen. Nun heißt es am 16. September 2016 um 19.30 Uhr in der Leipziger Stadtbibliothek: Schokolade zur Musik.
Der Sächsische Musikbund hat Komponisten aufgerufen, einmal geschmackliche Komponenten als Inspiration zu einem neuen Werk zu verstehen, ungefähr so, wie ein Komponist normalerweise bei Liedern über „Wort-Ton Beziehungen“ nachdenkt. Jeder Komponist bezieht sich dabei auf eine (nur eine!) Geschmacksrichtung: Von Vollmilch über Zartbitter bis hin zu Pefferminz und Chili sind die Wahlmöglichkeiten groß. Zu jedem Musikstück wird dem Publikum im Konzert jeweils das entsprechende Schokoladenstückchen kredenzt. Die entstandenen Werke für Klaviertrio stammen aus den Federn von Matthias Drude, Christian Diemer, Knut Müller und Christian FP Kram.
…
Martin Schmidt, Lausitzer Rundschau, 3.4.2016
Lieder aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Zeiten im Schloss
Hoyerswerda. Zu Melodien und Liedern aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und der sorbischen Lausitz lädt der Hoyerswerdaer Kunstverein am Sonntag um 16 Uhr ins Schloss Hoyerswerda ein.
…
Die Lieder stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Zeiten: der Liedzyklus „Sargon“ vom Lyriker Sargon Boulus, der aus dem Irak stammt, vertont von Christian FP Kram (Leipzig). Zu Texten der Lübecker Dichterin Susanne Hennemann schuf Birger Peteresen (Mainz) Melodien.
…
2015
Anja Kleinmichel, Kreuzer Leipzig, November 2015
Synästhesie, Relexionen über Bach und Mozarts Figaro
Im Rahmen einer Ausstellung anlässlich des 100. Todestages von Alexander Skrjabin findet in der Galerie Hoch+Partner ein Konzert mit dem Dresdener Neue-Musik-Ensemble El Perro Andaluz statt. Auf dem Programm stehen am Freitag, 27.November, um 19.30 Uhr Instrumentationen von Klavierstücken Skrjabins sowie Uraufführungen der Leipziger Komponisten Christian FP Kram, Knut Müller und Steffen Reinhold. In den ausgestellten Druckgrafiken setzen sich Leipziger Künstler mit dem Thema Klang und Farbe auseinander, das für Skrjabin als Synästhetiker von zentraler Bedeutung war.
…
Martin Wohlgetan, Kreuzer Leipzig, Juni 2015
So klingt der Sommer
…
Auch in Sachen Neue Musik ist Leipzig eine sprudelnde Quelle. Dem Pianisten Moritz Ernst, einem sehr exquisiten Interpreten zeitgenössischer Musik, wurden gleich sechs Kompositionen auf die Finger (und sonstige Elemente, die man in Zusammenhang mit Neuer Musik und einem Klavier bringen kann) geschrieben. Zu hören gibt es unter anderem auch ein Werk des Leipzigers Christian FP Kram.
2014
Matthias Drude, Zeitschrift Positionen, Texte zur aktuellen Musik, April 2014
Doppelporträtkonzerte Leipzig – Dresden
…
Am 24. und 25. März standen, vorgestellt von den Musikwissenschaftlern Christoph Sramek in Leipzig und Jörn Peter Hiekel in Dresden, zwei Komponisten im Mittelpunkt, die in erster Linie als Multiplikatoren und Protagonisten der neuen Musik in Sachsen wahrgenommen werden. Der heute in Leipzig lebende Komponist Christian FP Kram, geb. 1968 in Volkach (bei Würzburg), und sein Dresdener Kollege Christian Münch, 1951 in Freiberg/Sachsen geboren. Auf dem Programm standen jeweils drei Werke aus verschiedenen Schaffensperioden, darunter je ein größer besetztes Ensemblewerk, vom Dresdener Ensemble El Perro Andaluz engagiert und präzise vorgetragen.
Das verbindende Element beider Komponisten stellt für mich das Interesse für den Parameter Harmonik dar. Das Klavier – in fünf der sechs gebotenen Werke vertreten – wird durchaus vollgriffig eingesetzt. Kram bekundet darüber hinaus im Gespräch mit Hiekel ein Interesse für Melodiebildung, wovon besonders die klein besetzten Werke Grenzschatten – Liederzyklus für Sopran und Klavier (2004), dessen Ausdrucksskala von „innig“ bis „ekstatisch“ reicht, und Lomir sich iberbetn für Oboe und Viola (1997) Zeugnis ablegen. Sein jüngstes Werk Dualismen für Ensemble (2009/10) besticht durch souveräne, spannungsvolle und klangsinnliche Gestaltung von Kontrasten auf kleinem Raum. Gerade dieses Werk absoluter Musik wirkt formal besonders überzeugend und stringent.
…
Martin Wohlgetan, Kreuzer Leipzig, März 2014
Zeitgenössische Könner
Wie vielfältig und differenziert in Sachsen komponiert wird, zeigt eine nunmehr seit sieben Jahren bestehende Porträtkonzertreihe des Sächsischen Musikbundes. Sie streift alle Generationen von Komponisten, die ihren Lebens-/und/oder Arbeitsort im Freistaat haben. In der diesjährigen Doppelausgabe gehört die Bühne dem Dresdener Christian Münch und dem Leipziger Christian FP Kram. Ersterer ist seit vielen Jahren als Komponist, Dirigent und Dozent Neuer Musik in Dresden unterwegs und Träger des renommierten Hanns-Eisler-Preises. Christian FP Krams wichtigste Kompositionen entstanden für das Musiktheater, er hat sich aber auch einen Namen mit anspruchsvoller Kammermusik gemacht. Das Konzert wird um ein Komponistengespräch ergänzt. In Töne setzt die Werke das Ensemble El Perro Andaluz aus Dresden
2012
Schifferstädter Tagblatt, 04.10.2012
Mit einem schwarzen Damenstrumpf musizieren
Das Aurelia-Quartett und Komponist Steffen Reinhold im Club Ebene Eins
… Das Werk, das am Samstag uraufgeführt wurde, ist ein Zyklus von sieben kurzen Stücken. Dabei bedienen sich die Musiker modernen Spieltechniken: es wird auf die Saiten mit dem Bogen gehauen und mit sehr viel Bogendruck gespielt, so dass ein kratzendes Geräusch zu hören ist.
„Es sind Techniken, die es dem Hörer nicht immer leicht machen. Thematisch zeigt Kram wie ein musikalisches Problem technisch gelöst werden kann“, so Reinhold. Doch wenn der Klang so extrem ist, geht es nicht immer um technische Raffinesse, fügt er hinzu. Im Stück werden die Miniaturen durch die gleiche melodische Grundsubstanz zu einer Einheit verbunden. Gleichzeitig bildet jedes Stück auf seine Art und Weise eine geschlossene Einheit, in dem nur wenige musikalische Gedanken aphoristisch, das heißt kurz und eher andeutungsweise angerissen und nicht bis zum Ende entwickelt werden. Der Komponist, Christian FP Kram, hat eine Ausbildung in den Fächern Musiktheorie und Klavier an der Folkwang-Hochschule in Essen abgeschlossen und danach Komposition bei Manfred Trojahn an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf studiert. Zu seinen bekanntesten musikalischen Werken zählt die 2000 erfolgreich uraufgeführte Oper „Leonce und Lena“...
Eckart Rohlfs, Neue Musikzeitung, Dez. 2012 Rubrik Noten-Tipps
Siebzehn noch taufrische Fingerspielereien, geschrieben 2006 und 2007 von neun Autoren der Mittvierziger-Generation, die ihr Handwerk, den freien Umgang mit dem Tonmaterial ebenso verstehen wie das, was man jungen Händen als leicht, weniger leicht und ganz leicht und doch anspruchsvoll zumuten kann und gleichzeitig trainiert: Lesetechnik, experimentelle Rhythmen, sensible Artikulation, extreme Dynamik. Oder Mut zu deftigen Clustern und improvisatorischer Freiheit beim Hineinhören und Nachgestalten farbiger Klänge, ob Ping Pong und Hängebauchschweingrunzen, ob Springen am Bach oder Duft von Kräutergarten und Lotusblume. Das sind charakteristische Minutenstücke voll Witz, Laune und Originalität. Dankbar die ausführlichen Spielinfos der Komponisten. Eine Literaturempfehlung für „Jugend musiziert“ ohne Vorbehalt.
zu: FunTastereien. 17 leichtere Klavierstücke von Stephan Adam, Thomas Böttger, Udo Diegelmann, Peter Hoch, Hubert Hoche, Christian FP Kram, Stefan Lienenkämper, Willy Merz, Xaver Paul Thoma. H.H.-Musikverlag, Helmstadt
Linde Großmann, Neue Musikzeitung, Dez. 2012
… Aufmerksamkeit für den Rhythmus verlangen u.a. zwei Impressionen von Christian FP Kram, wobei das zweite Stück hier noch mit einer Überraschung aufwartet: In einem leicht jazzigen Umfeld taucht plötzlich ein Kinderlied auf.
zu: FunTastereien. 17 leichtere Klavierstücke, von Stephan Adam, Thomas Böttger, Udo Diegelmann, Peter Hoch, Hubert Hoche, Christian FP
Kram, Stefan Lienenkämper, Willy Merz, Xaver Paul Thoma. H.H.-Musikverlag, Helmstadt
2009
Anja Jaskowski, Leipziger Volkszeitung, 20.10.2009
Schrill, hoch, endlos
Das Stück will die Leute nicht quälen, sagt der Komponist – Eindrücke vom Spinnerei-Festival für zeitgenössische Musik
… Völlig anders gestaltet Christian FP Kram sein Stück „Filterungen“ (2009), in dem die Instrumente von unten nach oben, vom Kontrabass ausgehend, Akkordbrechungen und Skalen bilden. Deren Spitzen werden von glitzernden Stabspiel- und Klavierklängen veredelt, bevor die Konstruktionen in einem neuen Abschnitt im Glissando nach unten stürzen...
Regina Vossenkaul, MainPost, Oktober 2009
Premiere für „Konfettigeräusche“
Neue Töne für Klavier mit dem „Duo pianistico“
… Ebenfalls anwesend war Christian Kram aus Leipzig, dessen aus dem Jahr 2005 stammende Komposition GammAccordo e ScalArmonia“, ebenfalls vierhändig gespielt, den Konzertabend eröffnete. Kram schuf bisher neben musiktheatralischen Werken und Orchesterkompositionen zahlreiche Kammermusikwerke und Liedzyklen, er arbeitet eng mit zahlreichen Solisten und Ensembles zusammen. Um diverse Wechselwirkungen geht es in der im Orgelsaal vorgestellten Komposition. Tonfolgen (Klangfelder) werden Akkorden gegenübergestellt, Akkorde und Thematisches sowie Akkorde und Tonleitern überlagern und verdichten sich und gehen vielfältige Symbiosen ein...
„Es ist wichtig, dass die Interpreten zeitgenössische Werke so ernst nehmen wie die Klassiker, sagte Christian Kram. Er hat auch schon anderes erlebt als zwei Pianisten meinten, ein paar falsche Töne würde das Publikum gar nicht bemerken und sie gaben sich wenig Mühe. Mit dem vielfach ausgezeichneten und international tätigen Duo Pianistico war er sehr zufrieden und teilte damit die Meinung seiner Kollegen und der Zuhörer, die mit Applaus nicht sparten.
Anne Kretzschmar, Kreuzer Leipzig, Oktober 2009
Spinnerei und Geschichte
Zeitgenössisches und Klassisches im Oktober: Ein Rundumschlag
Was man sich tatsächlich unter der Spinnerei des Festivals für zeitgenössische Musik „Spinnerei V“ verstehen mag, das sei jedem selbst überlassen, meint Christian FP Kram, Komponist und als Vorsitzender des Vereins zur Förderung zeitgenössischer Musik in Sachsen Organisator des Festivals. „Spinnerei könnte der Name des Ortes sein, vielleicht auch die Neue Musik oder die darin wabernden Gedanken“. Bei einer bloßen Spinnerei ist es allerdings nicht geblieben, als 2001 das erste Festival für zeitgenössische Musik stattfand – damals, als die Baumwollspinnerei noch im Dornröschenschlaf lag. Denn zum fünften Mal nun werden sich Musiker und Komponisten im Klavierhaus Michael Fiech zwischen gediegenen Flügeln und Pianos, und alten Fabrikgemäuern treffen und einmal mehr versuchen, die Leipziger mit dem breiten Spektrum der Neuen Musik zu begeistern. Mit diesem Festival reiht sich Kram ein in die Liste der Einzelakteure wie Heyde, Schleiermacher oder Kühn, die in Leipzig kontinuierlich Zugänge zur zeitgenössischen Musik schaffen. Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung wird das Ensemble Leipzig 21 unter Leitung von Hannes Pohlit und Werken von Trojahn, Reinhold, Katzer, Zapf und Kram.
Katrin Wiesner, Ostthüringer Zeitung, 24.06.2009
Zeit für Experimente
Uraufführungen bei Orchesterwerkstatt – morgen Abschlusskonzert in Gera
… Ebenso wie Stefan Beyer steuert Christian FP Kram eine Uraufführung zur Orchesterwerkstatt bei. Seine Idee: Mit einer Terz, einem drei Tonstufen umspannenden Intervall, ein zehnminütiges Musikstück zu gestalten. Nicht der einzige ungewöhnliche Ansatz: Kram, der in Leipzig ein Meisterklassenstudium Komposition hinlegte, wählt zudem die Musikform der Etüde. Was für ein Soloinstrument gedacht ist, weitet er auf ein Orchester aus. Das alles verspricht eine ganz eigene Klanglichkeit. Wie sich harmonische Motive in Terzen finden, das können die Besucher zum morgigen Abschlusskonzert im Geraer Konzertsaal erleben. Wer Geschmack daran findet — Kram treibt das Noten-Spiel auch, wenn er sich ausschließlich der Sekunde, Quarte oder Quinte als Tonintervall verschreibt...
2008
Antonia Schauer, Leipziger Volkszeitung, 26.05.2008
Wagner-Festtage: Episode X unter Strom
… So gibt es vier Uraufführungen zeitgenössischer Werke unter anderem von Knut Müller, Christian Kram, Volkmar Leimert und Carsten Hennig, die das ensemble 01 hervorragend meistert. Die Gruppe aus Chemnitz, eigentlich ein Quartett, besteht seit 2001 und spielt ausschließlich moderne Musik. Von dramatisch, emphatisch bis sensibel, klagend setzen die Musiker der eigenen Ausdruckskraft keine Grenzen. Mitgerissen und überwältigt von Interpreten und Spielkunst, gibt es auch bei den Gästen weder Husten noch Naserümpfen....
2007
Claudia Crodel: Mitteldeutsche Zeitung, 05.10.07
„Zorn der Städte“ beim Musikfestival
Christian Kram vertonte Texte von László Csiba
Halle/Leipzig/MZ. Für Lásló Csiba war es ein großer Moment, als im Rahmen des Festivals für zeitgenössische Musik in der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig die Vertonung seines Gedichtzyklus‘ „Zorn der Städte“ erklang. „Die Emotionalität der Gedichte wurde durch die Musik sehr lebendig. Und ich habe gesehen, dass der Komponist mit mir im Kopf einen Weg gegangen ist“, zeigt sich der aus Ungarn stammende Schriftsteller, der 1968 in die DDR kam und seit vielen Jahren in Halle wohnt, beeindruckt.
Vertont wurden die fünf Gedichte von Christian F.P. Kram im Rahmen eines Arbeitsstipendiums der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen. Das zehnköpfige Instrumentalensemble „Ensemble Leipzig 21“ und der Bariton Christopher Jung, der übrigens seit 2001 an der Martin-Luther-Universität Gesang unterrichtet, brachten das Werk in der Uraufführung zu Gehör.
Kennengelernt haben sich Kram und Csiba im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf...
Als Csiba eine Lesung im Künstlerhaus hatte, war Kram von der musikalischen Sprache der Gedichte ergriffen und beschloss, sie in einem Liederzyklus zu vereinigen...
„Ich habe zehn Jahre gewartet, bis der Gedichtband erschien“, sagt Csiba. Jetzt, nach fast zwanzig Jahren, wurden die Gedichte vertont. „Diese Anklage, emotional herausgesungen, das hat mir sehr gut getan“, meint der Dichter. Es sei wie ein Traum, der ohne die Wende nicht erfüllt worden wäre.
Sebastian Hanusa: Neue Musikzeitung Mai 2007
Von der Vielfalt der kleinen Form
Festival PantaRhei 2006 in Würzburg
Bereits im siebten Jahr engagiert sich der Würzburger Verein „flammabis“ im Bereich der Neuen Musik und ist mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil für die Pflege zeitgenössischer Musik in Unterfranken. Im Zentrum der Arbeit von „flammabis“ steht die Organisation des Festivals PantaRhei, das in der ersten Novemberwoche 2006 zum nunmehr dritten Mal stattfand und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern ein breites Spektrum vom Solorezital hin zum Abschlusskonzert des Nordbayerischen Jugendblasorchesters bot...
Im Kontrast hierzu standen die dem etablierten Repertoire der Neuen Musik verpflichteten Soloprogramme der Blockflötistin Annette Porkert und des Flötisten Mathias von Brenndorff, während die drei Blockflötistinnen von „les trois en bloc“ es verstanden, eine geschickte Konzertdramaturgie mit Werken von Friedrich Schenker, Christian FP Kram, Ulrich Schultheiss und Peter Köszeghy und höchste Musikalität zu einem gelungenen Konzertabend zu verbinden...
2006
Meret Forster, Triangel - Das Kulturmagazin von MDR Figaro, Dezember 2006
Christian FP Kram: Dichterliebe
Eine kompositorische Interpretation für sechs Instrumente und Bariton
Eine kompositorische Interpretation — so hat Christian FP Kram (*1968) seine Bearbeitung von Robert Schumanns „Dichterliebe“ für sechs Instrumente und Bariton überschrieben. Im Zuge des 150. Todestags des Komponisten kam dieses Werk in Leipzig zur Uraufführung und stellt in der letzten Sendung des Schumann-Jahres 2006 noch einmal eine aktuelle Auseinandersetzung mit Schumanns Musik vor.
Meret Forster, Triangel-Das Kulturmagazin von MDR Figaro, November 2006
Komponieren in Mitteldeutschland
Die Komponistenverbände stellen sich vor
Sachsen: „Eigenes und Fremdes“
Händel in Halle, Telemann in Magdeburg, Liszt in Weimar, J.S. Bach, Mendelssohn und Schumann in Leipzig, Schütz, Weber und Strauss in Dresden... Die Liste renommierter Komponistennamen der Vergangenheit mit Wirkungsfeldern oder Wurzeln in Mitteldeutschland ließe sich noch weiter fortsetzen. Denn viel ist komponiert und musiziert worden in den Fürstentümern, Kirchen und Gesellschaftskreisen dieser Breitengrade. Und das vergangene Musikleben hat bis heute Spuren in vielen Städten Mitteldeutschlands hinterlassen: Institutionen, Archive, Museen, Ausbildungsstätten oder Festivals.
Wie nun aber ist es um die heutige Komponistenlandschaft in Mitteldeutschland bestellt? Gibt es bestimmte Komponistenzirkel, ästhetische Brennpunkte, Debatten, Grabenkämpfe, Nachwuchssegen oder Sorgen? Mit einem Blick auf die Komponistenszene in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beginnt eine dreiteilige Sendereihe mit Studiogästen der jeweiligen Landesverbände, die über den aktuellen Stand des Komponierens aus erster Hand berichten können.
Zum Auftakt sind die Komponisten Carsten Hennig, Lydia Weißgerber, Steffen Reinhold und Christian FP Kram zu Gast und geben Einblick in die Szene Sachsens. Unter dem Motto „Eigenes und Fremdes“ stellen sie eigene Werke und Themenschwerpunkte ihrer Arbeit vor, aber auch Musik von Alexander Keuk und Michael Flade. Das Thema ist im Gespräch unter den Komponisten generiert worden. Während den Dresdner Carsten Hennig vor allem die Bindung zur Tradition sowie die Integration von Fremdmaterial interessiert, setzt sich der Leipziger Komponist und Pädagoge Steffen Reinhold vor allem mit Einflüssen anderer Künste im Kompositonsprozess auseinander. Lydia Weißgerber, Förderpreisträgerin des Sächsischen Musikbundes 2005, beschäftigt sich mit dem Wechselspiel zwischen dem Eigenen und dem Anderen, wobei sie unter dem „wandelbaren Begriff des „Anderen“ besonders solche musikalische Phänomene“ interessieren, die ihr „fertig“ begegnen wie etwa ein nordafrikanischer Rhythmus oder der Klang eines türkischen Marktes in Berlin“.
Die Arbeit des Leipzigers Christian FP Kram, von dem Mitte September erst eine kompositorische Interpretation von Schumanns „Dichterliebe“ zur Uraufführung kam, kreist seit einiger Zeit um die Bindung seines Schaffens an die Tradition und die Reflexion darüber. Die Arten seiner Bearbeitungen reichen mittlerweile von der kompositorischen Interpretation eines Werkes bis hin zur völligen Verfremdung und Entstellung....
Hartmut Schütz: Dresdener Neue Nachrichten, Sept. 2006
Dem Strom entgegen
Orgelmusik sächsischer Zeitgenossen in Dresden-Plauen
Während sich die Komponistenjubiläen häufen und dem Reisenden von der Barockstadt gepredigt wird, suchten die Sächsische Gesellschaft für Neue Musik und der Sächsische Musikbund einmal dem zu huldigen, was Dresden ausmachen könnte: Progressivität. In der Plauener Auferstehungskirche gab es ein Programm ausschließlich zeitgenössischer Orgelkompositionen in Sachsen lebender Komponisten zu hören, darunter drei Uraufführungen. Reimund Böhmig an der Eule-Orgel und die Sopranistin Anna Palimina waren neben zwei der Komponisten die Ausführenden.
Am Beginn stand „Fanal de l‘ombre“ von Christian FP Kram. Das Werk entstand für den Leipziger Bachwettbewerb und entspringt aus einem Thema, das sich über vier Teile verzweigt und dann bis hin zum clusterreichen Finale im vollen Werk steigert...
Thomas Vogel: Kreuzer - Das Leipziger Stadtmagazin, Sept. 2006
Zurück zum Zuhörer
Der Komponist Christian FP Kram hat Robert Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“ neu vertont
Es ist heiß in der Stadt. Verdammt heiß. Mit Sommerhemd, Shorts und Sandalen sitzt Christian FP Kram am Tisch und streicht sich durch die Lockenmähne. Er spricht schnell, der dezente Zungenroller in seiner Rede verrät die fränkische Herkunft. Vor ihm auf dem Tisch liegen Partiturauszüge, auf die er gelegentlich deutet. Er ist zufrieden, denn nach vielen Monaten hat er die Arbeit endlich beendet. Christian Franz-Peter Kram ist Komponist. Seit Januar hat er an Robert Schumanns Dichterliebe gearbeitet. Der 16 Lieder umfassende Zyklus habe ihn schon lange gereizt, sagt Kram. „Die Musik Schumanns fasziniert mich“. Eine Freundin hatte ihn auf die Vertonung der Heineschen Liebesgedichte aufmerksam gemacht. Gemeinsam wollten sie im Jubiläumsjahr des Romantikers ein Projekt initiieren. Als es ins Stocken geriet, war er schon so tief drin, dass er beschloss, weiterzumachen. Kram versteht sich nicht als Avantgardist. Melodie, Harmonik und eine gewisse Kantabilität seien ihm wichtig, betont der 38jährige. Der Zuhörer wird also auch in seiner Bearbeitung die 1840 entstandenen Liebeslieder wiedererkennen. Kram hat vor allem die Instrumentalbegleitung radikal geändert. Statt einem Klavier gibt es nun sechs Instrumente, Motive hat er verdichtet, Dissonanzen verschärft und die Bezüge zwischen den Liedern deutlicher herausgearbeitet.
Das ensemble courage wird das Werk am 16. September uraufführen. Die Dresdner sind erfahrene Spezialisten in Sachen Neuer Musik, die es erst zu überzeugen galt. „Als die hörten, dass es um Schumann-Lieder geht, wollten sie erst mal die Partitur sehen, ob das überhaupt Neue Musik ist“, berichtet Kram erheitert.
Gelernt hat der aus Volkach bei Würzburg stammende Tonsetzer sein Handwerk vor allem in Düsseldorf bei Lehrer Manfred Trojahn. Zuvor hatte Kram schon Klavier und Musiktheorie an der Essener Folkwang Hochschule studiert. Trojahn aber war es, der Kram entscheidend beeinflusste: Weg von rein experimenteller , minimalistischer Musik zurück zum Hörer, hieß die Maxime.
Mit Musik, die nur Tonsatzspezialisten Freude bringt, kann er nichts mehr anfangen: „Komponieren für den Elfenbeinturm ist nicht mein Ding. Davon habe ich mich schon früh verabschiedet“. Dieses postmoderne Verständnis habe ihm unter Kollegen oft Kritik eingebracht, „denn die forderten radikalere Setzweisen, um Neuland in der Musik zu entdecken“, so Kram. Möglichkeiten zur Diskussion bieten sich genug, denn der Franke gehört dem Vorstand des Sächsischen Musikbundes an. Der 1998 von und für Komponisten gegründete Verein sorgt sich um die Neue Musik in Sachsen und organisiert vor allem Aufführungen seiner Mitglieder.
Der Erfolg scheint Kram Recht zu geben. Er gewann Wettbewerbe und Stipendien. seine Musik für Orchester, Kammer- und Vokalensembles wurde bundesweit aufgeführt...
2005
Meret Forster, Triangel - Das Kulturmagazin von MDR Figaro, Januar 2005
Musikstadt Leipzig heute?
Eine Standortbeschreibung Leipziger Komponisten
Musikstadt Leipzig heute? „Das Fragezeichen ist natürlich provokativ“, schreibt Steffen Schleiermacher zum musica-nova-Konzert mit neuen Stücken von Leipziger Komponisten. In Reiseführern und Städtebeschreibungen bleibt Leipzig als traditionsreiche „Musikstadt“ jedoch unhinterfragt. Schließlich kann kaum eine andere Stadt auf eine vergleichbar große Musiktradition verweisen. Namen wie Bach, Mendelssohn, Schumann sind untrennlich mit Leipzig verbunden. Gewandhausorchester und Gewandhaus tragen seit 250 Jahren zur Pflege und Entwicklung klassischer Musik bei und sind ein Inbegriff für die Stadt geworden. Auch das Opernhaus besitzt eine über 300-jährige Operntradition, und den berühmten Thomanerchor - vor über 800 Jahren aus der gottesdienstlichen Kunstausübung am ehemaligen Augustiner-chorherrenstift hervorgegangen - kann man heute noch jeden Freitagabend und Samstagnachmittag bei der „Motette“ in der Thomaskirche hören....
Aber zeichnet sich heute eine „Musikstadt“ nur dadurch aus, dass sie weihevoll und stolz auf ihre würdige Vergangenheit zurückblickt? Gibt es ein Leipzig der „neuen Musik“ oder gar eine „Leipziger Schule“? Warum? Warum nicht? Diesen Fragen spüren die Komponisten Thomas C. Heyde, Knut Müller, Daniel Smutny, Christian FP Kram, Dimitri Terzakis und Siegfried Thiele im Gespräch und im Konzert im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses mit ganz unterschiedlichen Stücken nach....
Christian FP Kram arbeitet in seinem Ensemblestück „Tropus cum Tropo — Tropi contra Tropis“ in freier Weise nach der von Joseph Matthias Hauer 1925 entwickelten Klassifizierung des chromatischen Totals. „Kern ist zum einen die 6:6 Teilung des Tonvorrats, zum anderen die athematische Struktur“, notiert Kram, „ der 6-tönige Tonvorrat mit seinen implizierten Intervallkonstellationen und seinen harmonischen Besonderheiten wird zum Baustein und Strukturelement.“...
2004
Klaus Obermayer: Neue Musikzeitung Dezember 2004
20 Jahre Münchner Flötentrio
Jubiläumskonzert des Ensembles
am 15. November 2004 im Gasteig
1984 gab das Münchner Flötentrio mit Elisabeth Weinzierl, Edmund Wächter und Eva Schieferstein (Klavier) ihr Debüt als Ensemble in einem ersten Konzert. Kennen gelernt haben die Drei sich in ihrer Studienzeit und seitdem musizieren sie zusammen. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen und die Formation hat es mit zahlreichen Auftritten im In- und Ausland - die Moderne spielte dabei immer eine tragende Rolle - zur Meisterschaft gebracht, wie sie in dem Jubiläumskonzert eindrucksvoll unter Beweis stellte....
Eine „Flötenshow“ spezieller Art war „7 Aphorismen“ des jungen Christian FP Kram (Jahrgang 1968). Das Werk ist dem Münchner Flötentrio gewidmet und von diesem im Jahr 2000 in Leipzig uraufgeführt. Von der Piccolo- bis zur Kontrabassflöte, die verschiedensten Instrumentaltechniken (hauchen, pusten, Obertöne, Trillerketten etc.), alles kam zum Einsatz, was sich zur Erzielung von Klangeffekten mit Flöteninstrumenten eignet. Eine vorzugsweise heitere Klangkomposition....
Ann-Kathrin Seidel: Neue Musikzeitung Dezember 2004
Spinnerei III — Musik unserer Zeit
Das Leipziger Festival für Zeitgenössische Musik spannt einen weiten Bogen
Neues in Altes gepflanzt: Unter tiefschwarzen Türmen, die ihre Spitzen in den Nachthimmel bohrten, flackerte ein feuerroter Schein. Die erleuchteten Fenster der Tangofabrik dienten nicht etwa dazu, verirrte Gäste den Weg durch das verfallene Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei zu weisen. In ihrem Kontrast zu der unwirklichen Umgebung waren sie Sinnbild selbst der Ideen von Interpreten und Komponisten, die vom 15. bis 17. Oktober zum dritten „Spinnerei-Festival“ für Zeitgenössische Musik nach Leipzig kamen.
Denn in vier Konzerten an drei Festivaltagen suchten nicht wenige Künstler die Erdung mit dem Vergangenen, spürten thematisch oder musikalisch den Wurzeln nach. Eine eindeutige Definition des entstehenden „Neuen“ wollten die Programme, die der MusikProjektSachsen für die etwa 500 gekommenen Gäste komponiert hatte, jedoch nicht zulassen. Als Synthese mit Darstellung und visueller Kunst, im Lied, in freier Improvisation oder als Collage kontrastierender Stile stellten die Veranstalter ebenso vielfältige, wie zur Diskussion anregende musikalische Richtungsangaben vor....
In den klaren Rahmen des Festivaltitels passte vor allem das zweite Konzert von Spinnerei III. Mezzosopranistin Mareike Schellenberger und Pianist Eckehard Schubert spannten einen großen dramatischen, fast katharsischen Bogen von Gewalt und Unterdrückung bis zu Humor und Witz und verbanden darunter Werke der jungen Komponistengeneration aus der Region: Christian FP Kram, Steffen Reinhold und Stefan Lienenkämper spielten in Nuancen mit den Elementen Instrument, Stimme und Wort. Anschließend öffneten Schellenberger und Schubert mit Isabel Mundrys surrealem Klangbild das Repertoire der experimentellen Techniken....
Sebastian Schmideler: Leipziger Volkszeitung Okt. 2004
Außergewöhnliches Konzert
Kreisleriana vierhändig
Skurrile Klangflächen, spannungsgeladen atonales Gewebe und experimentelle Tonarchitektur entlocken Paola Rocca und Luca Marchetti dem Blüthner-Flügel, den sie in meisterhafter Disziplin in allen Farben seiner Klangmöglichkeiten zeigen. Das 55. Außergewöhnliche Konzert des Sächsischen Musikbundes avanciert Montagabend im Leipziger Schumann Haus nicht zuletzt dank der lebhaften und strukturbewussten Interpretationen des virtuosen italienischen Pianisten-Duos zur Kreisleriana zeitgenössischer Klaviermusik - vierhändig.....
Auch Christian FP Krams eigens für das italienische Künstler-Duo komponierter „Corale recondito“ eröffnet berückende Klangwelten: zehnstimmige Akkorde, über die sich wie bei Glocken Obertöne lagern, verborgen innerhalb eines „heimlich versteckten Chorals“...
Uwe Klemens: Märkische Allgemeine, Februar 2004
Kreisverkehr und Quinten-Satz
Musiker kehrte ins Künstlerhaus zurück
Wiepersdorf. Das Künstlerjahr hat begonnen. Die ersten Koffer und Arbeitsmaterialien sind mittlerweile auch im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf ausgepackt. In loser Reihenfolge nutzen die einzelnen Stipendiaten die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit den Künstler-Kollegen auf Zeit vorzustellen. Den Anfang machte am vergangenen Donnerstag der aus dem Frankenland stammende Komponist Christian FP Kram. „Irgend jemand muss sich ja als erster trauen“, sagte Kram, der just am gleichen Tag seinen 36. Geburtstag feierte. Auch den kleinen Vorteil gegenüber den meisten anderen Stipendiaten verschwieg er nicht: Schon einmal war der seit sieben Jahren in Leipzig lebende Musiker in Wiepersdorf zu Gast. An die fruchtbaren Begegnungen mit anderen Künstlern und den daraus resultierenden Schwung für die eigene Arbeit möchte der Wahl-Sachse in diesem Jahr gerne erneut anknüpfen.
Als anschauliche Beispiele für seine bisherige Arbeit hatte der Komponist drei Werke ausgewählt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. „Kreisverkehr“ heißt die fast hörspielartige Ton-Collage, in der es um das Thema Lärm geht. Straßenlärm, Flugzeug- und Fabrikgeräusche mischt Kram mit kollabierenden Klangfetzen aus der Oboe und verwirrenden Zeitungs-Zitaten. Das Ende überrascht nicht wirklich und läßt dennoch an Eindrücklichkeit kaum Wünsche offen. Die fast letzten Töne sind die erlöschender Herztöne auf der Intensivstation. Schon kurz darauf geht alles von vorne los. Kreisverkehr eben. Krams vorgestellter Liederzyklus nach Gedichten von Sargon Boulus entstand beim Wiepersdorf-Aufenthalt vor drei Jahren. Auch hier zeigten sich Krams Künstlerkollegen von der Zuspitzung des Todes-Themas beeindruckt, die Kram mittels Notensatz für Mezzosopran realisiert. Werk drei des Abends war ein Orchesterstück, in dem sich der Komponist auschließlich der Quinte als verwendetes Ton-Intervall verschreibt. Orchesterwerke für Sexte und Septime sollen während des diesjährigen Stipendienaufenthaltes entstehen und den vor sieben Jahren begonnenen Zyklus über die einzelnen Intervalle vervollständigen.
Dass er selbst die so unterschiedlich anmutenden Teile seines kompositorischen Schaffens als zusammengehörig empfindet, machte Kram im anschließenden Gespräch deutlich. Gerade dies mache seine Arbeit auch für ihn immer wieder so spannend. Einzelne Arbeiten will Kram zum Osterfest der Öffentlichkeit präsentieren. Wie gewohnt wartet dann ein breit gefächertes Angebot auf die Besucher.
2003
Melanie Pollinger: Mainecho Aschaffenburg Okt. 2003
Großartige Tastomania
Ensemble Versato in der Musikschule
Eine „Pianofollia“ hat der 1968 in Volkach geborene Komponist Christian FP Kram geschrieben und damit beim Gesprächskonzert des Ensembles Versato in der Aschaffenburger Musikschule bewiesen: Zeitgenössische Musik muss kein unhandliches Buch mit sieben Siegeln sein.
... zahlreiche Zuschauer ließen sich von der Schönheit des Stücks überzeugen, dessen Titel mit „verrückt auf Klavier“ angemessen übersetzt wäre. Der berühmteste genial-verrückte Klavierspieler war sicher Franz Liszt, und aus dessen Werk, dem 1837 und 1839 entstandenen Zyklus „Années de pélérinage“ (Pilgerjahre), hat Kram geschöpft. Das Stück „Il penseroso“, der Nachdenkliche“, diente als Grundlage für seine modernen musikalischen Reflexionen. In diesen ist genug Platz für Liszt selbst. Das Stück öffnet sich mit allem harmonischem Reichtum der Romantik und hallt aus mit einem cis-moll-Akkord. Dazwischen entfalten sich völlig neue, schwebende Klangwelten zu einem vielstimmigen Kanon. Über der Melodie des Klaviers (gespielt von Gert Drost) türmen sich die immer dichter werdenden Kaskaden der Orgel (Stephan Adam) auf. Das Cembalo (Wolfram Bieber) sorgt für metallenes Geglitzer. Prickelnd schön, wie Klavier, Orgel und Cembalo nacheinander, den gleichen Rhythmus wiederholend, die theatralische Pose des Klaviergenies nachäffen....
Caroline Schneider-Kliemt: Kirchenmusikalische Mitteilungen September 2003
Verein zur Förderung zeitgenössischer Musik
Messe zum Palmsonntag
Neue Musik in der Liturgie ist selten geworden. Die dienende Funktion der Kirchenmusik und der künstlerische Anspruch eines Komponisten werden seit langem als vermeintlicher Widerspruch gesehen. Um diesen Missstand auszuräumen vergab der „Verein zur Förderung zeitgenössischer Musik in der Liturgie e.V.“ unter Vorsitz von Prof. Peter Hünermann in diesem Jahr zum vierten Mal einen Kompositionsauftrag für ein zeitgenössisches liturgisches Werk: Die Texte der komplexen Liturgie des Palmsonntags sollten vertont werden. So wurde dem in Leipzig lebenden Komponisten Christian Kram (geb. 1968) dieses Tübinger Kompositionsstipendium für eine Messe zum Palmsonntag erteilt. Dazu hatte Diözesanmusikdirektor Walter Hirt in Zusammenarbeit mit dem Liturgen Herrn Pfarrer Dr. Christoph Böttigheimer die liturgische Dramaturgie erarbeitet. Unter der musikalischen Leitung von Wilfried Rombach fand die Uraufführung im Rahmen des Palmsonntagsgottesdienstes am 13. April 2003 in der kath. Stadtpfarrkirche St. Johannes in Tübingen statt, wobei die Johanneskantorei Tübingen, der Organist Jürgen Maag sowie ein Ensemble aus neun Instrumentalisten, Schlagwerk, Sopran- und Baritonsolo und natürlich die Gemeinde mitwirkten. Diese hatte man gut auf dieses Ereignis vorbereitet, so dass am Palmsonntag die Kirche auch bis auf den letzten Platz mit Gemeindemitgliedern und Musikinteressierten gefüllt war. Und Niemanden ließ die Musik unberührt, erfreulicherweise mit durchweg positiver Resonanz. Zur Prozession, die ihren Weg vom Innenhof des nahe gelegenen Wilhelmstift durch die Gassen der Tübinger Altstadt zur Johanneskirche nahm, vertonte Christian Kram alle Texte zur Palmprozession für Vorsängergruppe und vier Blechbläser. Für die Intrada wurden sogar die Glocken der benachbarten Ev. Stiftskirche miteinbezogen. Die äußerst ergreifende Komposition zum Antwortpsalm auf den Text des Psalm 22 sah die Besetzung Baritonsolo, Viola, Orgel und Gemeinde vor, beim Ruf vor der Passion übernahmen Solosopran, Chor und vier Blechbläser. Auf die Vertonungen der ansonsten von drei Sprechern vorgetragenen Evangelientextes verzichtete der Komponist weitgehend. Stattdessen gestaltete er einzelne Szenen musikalisch aus. Zu diesem Zweck brachte Thomas Höfs, Schlagzeuger am Staatstheater in Stuttgart, einen Kleintransporter voll Schlaginstrumente nach Tübingen, die in Verbindung mit den anderen Instrumenten vielseitig eingesetzt wurden. Neben einem groß angelegten Sanctus zählte ein inniges Agnus Dei für Soli, Chor, Holzbläser und Orgel zu den Höhepunkten der Komposition. Zur Kommunion erklang ein an Arvo Pärts „Stabat mater“ gemahnendes Instrumentalstück für Violine, Viola, Cello und Orgel. Auch der folgende Dankgesang sowie das Postludium für Orgel waren in die Kompostion einbezogen. Das Projekt zeigt einmal mehr, dass die Gratwanderung zwischen liturgisch-gottesdienstlicher Tauglichkeit und künstlerischem Anspruch erfolgreich sein kann, dass die Liturgie durchaus noch heute inspirierend auf Komponisten wirkt. Auch in zeitgenössischer Musiksprache wird sie zum spirituellen wie künstlerischen Ereignis für die Gemeinde. In St. Johannes in Tübingen nimmt die Kirchenmusik in engster Beziehung mit der Liturgie einen breiten Raum ein; die Uraufführung an Palmsonntag war somit konsequenter Höhepunkt der kontinuierlichen musikalischen Arbeit, die von der Gemeinde sehr geschätzt wird...
Renate Richter, Triangel - Das Kulturmagazin von MDR Figaro, Juni 2003
Eigenart blüht auf - Porträtreihe junger Komponisten III
Nach Michael Flade und Benjamin Schweitzer ist nun Christian Franz-Peter Kram unser Studiogast. Man darf gespannt sein, wie der 1968 in Volkach bei Würzburg geborene, heute in Leipzig lebende Komponist derzeit die Akzente für sein Leben setzt.Früh hat er pädagogische, aber auch musiktheoretische Fähigkeiten erworben, vor allem auf der Folkwang-Hochschule Essen und immer wieder auch auf Seminaren und Kursen wie den viel zitierten Arbeitstagungen des Instituts für Neue Musik und Musikerziehung Darmstadt. Und das war gut so: auch er verdient sich mit Lehrtätigkeit zwischendurch die notwendige Grundlage, um dann Zeit fürs Komponieren zu haben. Denn das ist seine eigentliche Profession - nach Studien bei Manfred Trojahn (Düsseldorf) und mehrfachen Meisterkursen beim Brandenburgischen Colloquium Musicum für Neue Musik (Paul-Heinz Dittrich, Diether Schnebel, Mathias Spalinger oder Gerhard Stäbler) ging er zwischendurch auch nach Luzern zu Wolfgang Rihm.
1996 bis 2001 war er schließlich an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, an der er schon 1998 das Konzertexamen Komposition und 2001 das Meisterklassenexamen Komposition (Peter Herrmann) jeweils mit Auszeichnung abschloss. Dem Leipziger Hausgott Bach verdankt er ein europaweites Projekt unter der Leitung von Luciano Berio: zu instrumentieren war die „Kunst der Fuge“ für Orchester. Krams „Contrapunctus 3“ erlebte dann 2001 Aufführungen in Spoleto (Italien), Lyon, Den Haag und London; Contrapunctus 1-7,9 für Bläserensemble spielte die Tschechische Philharmonie 2002 in Aschaffenburg zum ersten Mal.
Überhaupt brachte die Millenniumszeit für den Komponisten Christian FP Kram enormen Auftrieb: auf der EXPO 2000 hörte man im Deutschen Pavillon in Hannover seine Rilke-Gesänge für Vokalensemble und Klavier, die zum Programm LIEDSTRAHL gehörten. Schon im Juli hatten die Kandidaten des Internationalen Bachwettbewerbes sein Pflichtstück „Fanal de l‘ombre“ zu spielen, in Auftrag gegeben vom Bach-Archiv Leipzig, und last but not least führte die Hochschule für Musik und Theater 2000 seine Oper „Leonce und Lena“ (B. Büchner) — hochgelobt in der Presse, die da u.a. schrieb: „Die Oper muss sich vorführen lassen, dass zeitgenössisches Musiktheater in dieser Stadt funktionieren kann... Das Ensemble spielte wunderbar intensiv, so dass am Ende unter großem Jubel die Groteske den Anspruch erheben konnte, reif für die große Opernbühne zu sein“.
Und Kram hatte nochmal Glück: fast gleichzeitig kam auch eine seiner Etüden für großes Orchester (Nr. 1 „Quinte“) zur Uraufführung (Riedenburg), gespielt vom Moskauer Sinfonieorchester. Neben diesen großdimensionierten Werken schreibt er viel Kammermusik, auchVokalsätze. Seine drei Lieder nach Gedichten von Hermann Hesse kamen im Hesse-Jahr 2002 in Calw zur Uraufführung und erschienen inzwischen auch auf einer CD (castigo LC1795). Kram initiierte die Leipziger WESTEND-Konzerte des Sächsischen Musikbundes, jene Konzerte mit dem besonderen Ambiente in der Alten Baumwollspinnerei Leipzig West. Christian FP Kram ist Gründungsmitglied des Arbeitskreises Junge Komponisten im Landesverband Sachsen des Deutschen Komponistenverbandes.
Tübinger Zeitung, April 2003
Prozession und Passion
Die Johannes-Kantorei probte für eine Uraufführung am kommenden Sonntag
Tübingen. Suggestive Kraft zeichnet die Passagen aus, die Kantor Wilfried Rombach gestern in der Johanneskirche mit dem Chor, Orgel und Blechbläsern probte. Die musikalische Gestaltung des Palmsonntags-Gottesdiensts in der Johanneskirche beginnt um 10 Uhr im Garten des Wilhelmstifts mit dem Einsatz der Stiftskirchen-Glocken. Von dort aus wird sich die Prozession der Gemeinde in Bewegung setzen. Nach sieben Glockentönen vom Turm der Stiftskirche erschallt von dort ein Cluster, eine dichte Tontraube. Im Wilhelmstift treten Blechbläser hinzu, sorgen für rhythmische Konturen im diffusen Glocken-Rauschen, das sich allmählich zu einem tonal schwebenden Dreiklang klärt.
Ausgestattet mit einem Stipendium des Tübinger Förder-Vereins hat der 35-jährige Christian FP Kram Prozession und Passion zum Palmsonntag komponiert, dabei auftragsgemäß neben Chor, Choral-Schola, Kantor und Organist auch die Gemeinde beteiligt. Sie wird bei Fürbitten und „Einwürfen“ vom Chor unterstützt; einige Gemeindemitglieder werden aber auch vor dem Gottesdienst etwas üben.
Auszüge aus dem „Agnus Dei“ und dem „Sanctus“, die Rombach probte, ließen hören, dass der Komponist die Spannung zwischen liturgisch-gottesdienstlicher Tauglichkeit und künstlerischem Anspruch produktiv nutzte. Auf neuere Vortragstechniken hat er verzichtet, dafür mit herb-kräftigen, um bitonale Schwerpunkte kreisenden Akkordfortschreitungen gearbeitet, und die Bläser als Rhythmus- und Farbgeber eingesetzt.
Viele Seiten der Partitur lassen an große Namen denken, zuerst an Petr Eben, dessen Rang in der katholischen Kirchenmusik dem von Hanns Eisler in der Arbeiterbewegung gleichkommt.
Mehrere Preise hat Christian FP Kram schon gewonnen, zuerst 1995 den von Hans-Joachim Hespos gestifteten für 1-Minuten-Werke, mit dem Titel „Welt voller Narren“. Mehr Zeit verlangt der Palmsonntag. Holz- und Blechbläser, Streicher, reichbesetztes Schlagwerk, Sopran und Bariton hatte er zur Verfügung, um die „Leiden unseres Herrn Jesus Christus“ nach Markus musikalisch zu kommentieren. Dabei immer den Text respektierend, und zwar in eigner Musik, die ausschreibungsgemäß „die Impulse aus der inhaltlich-textlichen, geistlich-spirituellen, dramaturgisch-szenischen Gestalt des Gottesdienstes aufnimmt und darstellt“.
2002
Neue Musikzeitung Dez. 2002
Offene Ohren
„Spinnerei-Festival“ Leipzig
Gemeinsam mit Thomas Chr. Heyde und dem Vorsitzenden des Landesverbandes (DTKV), Matthias Hübner, zeichnete Christian FP Kram für die Konzeption verantwortlich. Der erste Konzertabend „Entschleierung“ stand musikalisch unter dem Zeichen israelisch-palästinensischer Begegnung. Das Desvelo-Ensemble, ein Quintett, dessen Mitglieder zum größten Teil dem Sächsischen Landesverband angehören, zeigte in klanglich reizvoller Besetzung seine eigene Deutung jiddischer und nahöstlicher Klangwelt. „Desvelo“ geht auf das in diesem Konzert uraufgeführte Werk von M. Rosenmann zurück und bedeutet „Entschleierung“ und „Schlaflosigkeit“ zugleich. Christian FP Kram sprach von einem „nimmermüde werdenden Drang, auf den anderen zuzugehen, im übertragenen Sinn: Grenzen hinter sich zu lassen“, was die israelische Komponistin Anat Schacher in ihrem Werk „Gebet“ besonders eindrucksvoll vermittelte.... Das „Uraufführungskonzert“ des zweiten Abends lebte vom Gedanken, Neues auch neu zu präsentieren: Rhombenförmig angeordnete Sitzreihen ermöglichten, unterstützt von der Lichtchoreographie, verschiedenste Bühnensituationen. Sowohl Luca Belcastro in einer mit „psychodrama“ untertitelten Trio-Kompostion, als auch Christian FP Kram in „Brassophonia“ für Blechbläserquartett nutzten diese Konstellation in ihren Stücken.<<< Agnes Ponizil
Leipziger Volkszeitung Okt. 2002
Neue Töne in der alten Fabrik
Zehn Uraufführungen beim 2.Leipziger Spinnerei-Festival für zeitgenössische Musik
„In nur zwei einfachen Schritten zum perfekten Weltbürger! Erstens: Reinigen Sie Ihre Ohren mit Hygienestäbchen! Zweitens: Bestellen Sie telefonisch eine Eintrittskarte. Um die neu erworbene Qualität Ihrer Ohren ausgiebig testen zu können...“ Der Flyer hat nicht gelogen: Die „Tangofabrik“ auf dem Gelände der Plagwitzer Baumwollspinnerei umfängt den Besucher zu den Konzerten des 2. Spinnerei-Festivals für Zeitgenössische Musik mit halb düsterer Bar-Atmosphäre in charmantem Fabrikgemäuer. Und die ungewohnte Umgebung gehört zum Konzept des vom Sächsischen Tonkünstlerverband veranstalteten Festivals. Auf das Hörorgan wartet schon am Freitag ein Dreierbündel Uraufführungen. Am Sonnabend sind es gar fünf. Hier schließt sich der Kreis mit dem Bläserquartett von Johannes Sandberger (Jahrgang 1963) und der „Brassophonia“ für zwei Trompeten und Posaunen von Christian FP Kram (1968). Letzteres ist auch etwas fürs Auge. Niemand steht brav im Ensemble: Ein Musiker spielt an der Bar, der zweite im Toiletten-Vorraum, der Rest woanders. Wegen ständiger Positionswechsel sind gut 20 Notenständer nötig. Musikalisch hält das Werk fürs junge Publikum Vielsagendes zwischen interessanter Harmonie und wüstem Ausbruch bereit.<<< Katrin Seidel
Kreisnachrichten Calw, 9. Aug. 2002
Ein Künstlergespann von innerem Gleichklang
Mareike Schellenberger und Tobias Schabenberger musizieren im Maria von Linden-Gymnasium
>>>>>> Der junge Christian FP Kram (geboren 1968) war an diesem Abend anwesend. Seine drei Lieder (Voll Blüten, Das treibende Blatt, Beim Wein) besitzen eine große Spannbreite der Gefühle, die in ihrem atonalen Zuschnitt an die Sängerin hohe Anforderungen stellten. Sein Weinlied überrascht durch den sehr ruhigen, langsamen und vor allem auch fragenden Grundcharakter, der keinen aufschäumenden, sondern einen in sich versunkenen Hesse sehr schön nachzeichnet. Gut, dass unsere oberflächliche Zeit noch solch viel versprechende junge und nach tieferen Werten suchende Musiker hervorbringt. <<< Ullrich Eißler
2001
Westdeutsche Allgemeine Zeitung Essen, 12. Okt. 2001
Reich an Kontrasten
Wolpe Trio stellte deutsche Komponisten vor
>>>>>>Aus Nordrhein-Westfalen waren der Folkwang-Professor Wolfgang Grandjean mit dem Werk „Klänge Farben - Wege Bewegung“, der Aachener Michael Reudenbach mit dem Joseph Beuys gewidmeten Werk „Fonds III“ und der Folkwang Komponist und Medienkünstler Dietrich Hahne mit seinem der Filmtechnik nachkonstruierten Werk „Fourtunes“ vertreten. Letzteres hinterließ den kraftvollsten Eindruck. Christian FP Kram, der an verschiedenen Hochschulen NRW‘s sowie in Leipzig studiert hatte, lieferte jedoch das aufregendste experimentelle Werk, indem er Chaos und Fragilität gegenüberstellte („...in die Ferne...ins Leben?).... Dagmar Schenk-Güllich
Mitteldeutsche Zeitung Halle, 8. Feb. 2001
Begeisternde Premiere in der „vollen Hofstube des Schlosses“
Lehrerinnen und Lehrer musizierten - Konzert soll Tradition werden
>>>>>> Wieder ernstere Töne erklangen am Schluss mit den sieben Epigrammen für Violine und Klavier des jungen Komponisten Christian Kram, der selbst am Klavier saß. Kram, ein Künstler, der zu großen Erwartungen berechtigt, schuf damit eine Musik, die in ihrer Farbigkeit und Klanggebung überaus reich an Gehalt ist, die neue Wege geht, ohne dissonant oder schrill zu sein und die aufhorchen ließ. Der feine Geigenton von Bela Lepetit passte sich gut dem Anliegen des Komponisten an.<<
2000
Leipziger Volkszeitung, Dez. 2000
In Leipzigs Schaubühne im Lindenfels fesselten live-elektronische Werke in „Grenzregionen III - electronics“
Herrlich absurder Dialog zweier zickiger Koloraturdiven
>>>>>> Verrückt war‘s schon, als der Spot auf zwei zickige Koloraturdiven fiel. Die eine hing gebeugt vor einer flimmernden Fernsehkiste und malträtierte später wütend ihren Schmuseteddy. Die andere schminkte ihren großen Mund immer wieder und zwar ungekonnt. Schließlich entspann sich zwischen den zwei sängerischen Dämchen (wunderbar: Mareike Schellenberger und Sophia Brickwell) ein herrlich sinnloser Dialog. Über teilweise etwas zu lauten Untergrundgeräuschen einer hektischen Großstadt ging es darum, ob denn das Gegenüber schon einmal in Rom gastiert hätte, und das etwa wie folgt: „Nein, das erste Mal war ich zwar noch in Rom, aber nicht immer öfter wie beim zweiten Mal...“. Das an diesem Abend uraufgeführte Werk „sestine“ für zwei hysterische Sängerinnen und Tonband von Christian FP Kram endete mitsamt seinen Wort- und Tonfetzen (nach einem Text von Oskar Pastior) zu guter letzt in einem simultanen Geplapper. So hektisch aneinander vorbei geht‘s heute eben. Vor allem im Konkurrenzkampf zweier Diven... Viel versprechender hätte der Abend kaum beginnen können.>>> Katrin Seidel
Riedenburger Nachrichten, 15./16. Aug. 2000
Wenn Komponisten die Interpreten überfordern
Am vierten Abend des Sinfonischen Sommers wurde eine Etüde von Christian FP Kram uraufgeführt
Riedenburg (DK) Die Geschichte der klassischen Musik ist auch eine Geschichte der Überforderungen. Seit Beethoven muteten die großen Komponisten ihren Interpreten immer wieder nahezu Unmögliches zu: spieltechnisch kaum zu bewältigende Passagen und scheinbare schiere Zumutungen, wie das Klopfen auf Streichinstrumente, das gewaltsame Umstürzen von Klavieren usw. Da ist es kein Wunder, dass auch bei dem auf die zeitgenössische Musik spezialisierten Sinfonischen Sommer Riedenburg einmal die Grenze des technisch Machbaren überschritten wird. Überraschend musste der Satz „Sekunde“ aus den „Etüden für großes Orchester“ des jungen Komponisten Christian FP Kram aus dem Programm genommen werden. Das Moskauer Sinfonie-Orchester war der diffizilen Partitur nicht gewachsen. Uraufgeführt wurde nur das andere Stück des Zyklus‘, die „Quinte“. Kram orientiert sich bei seinem Werk an den Etüdenzyklen Chopins, Skriabins und Debussys, versucht also ein kleines Thema - in diesem Fall ein Intervall - zum Anlass orchestraler Virtuosität zu nehmen. Erstaunlicherweise sind bei Krams Werk nun nicht ununterbrochen hohl klingende Quintbewegungen zu hören. Vielmehr entwickelte der gebürtige Franke aus den fünf Tönen der Quinte ein kleines, bewegtes Thema, das zur Grundlage orchestraler Prachtenfaltung und wirksamer Steigerungen wurde. Die Moskauer Musiker von Alexei Kornienko führten das Werk mit großer Sensibiltät und Sinnlichkeit auf.>>> Jesko Schulze-Reimpell
Leipziger Volkszeitung, Juni 2000
Groteske mit Anspruch auf große Bühne
Krams Oper „Leonce und Lena“ umjubelt uraufgeführt
Die Oper Leipzig darf neidisch sein. Von der Hochschule für Musik und Theater, die in jedem Jahr eine Opernproduktion konzipiert, muss sie sich vorführen lassen, dass zeitgenössisches Musiktheater in dieser Stadt funktionieren kann. Denn was in der Schaubühne Lindenfels die Leipziger Gesangs- und Instrumentalstudenten zu Gehör brachten, war aller Ehren wert. Leonce vertrocknet in grenzenlosem Müßiggang, ist sich darin selbst zuwider und soll jetzt auch noch mit Prinzessin Lena verheiratet werden. Da flieht er lieber mit Kumpan Valerio nach Italien. Dort trifft er unwissentlich auf Lena, die ebenfalls vor der Heiratswut ihrer königlichen Familie ausgebüxt ist, und verliebt sich in sie. Schließlich kehren beide zurück und werden verheiratet - die Pläne von König Peter gehen in Erfüllung, und er kann sich wieder dem „Denken für sein Volk“ widmen, was Steffen Doberauer hübsch grotesk verkörpert. Christian FP Kram, 32-jähriger Meisterschüler Peter Herrmanns, notierte für das Spiel um Langeweile bis an den Rand der Ohnmacht, um Liebe und die Perversität totalitärer Aristokratenherrschaft lautmalerische Musik in montierten Selbstzitaten. Krams musikalische Sprache ist so originell, dass es kaum noch wundert, wenn er ein Konglomerat aus Wagners Brautchor und Bachs Hochzeitskantate frech zur Beschreibung der irrwitzigen Verheiratungsszenerie nutzt. In Harald Siegel fand er einen Dirigenten mit Sinn für mörderische rhythmische Ansprüche, und Orchester (besonders bemerkenswerte Holzbläser) wie Solisten musizierten überaus konzentriert. Während vor allem Wolf-Rüdiger Klimm und Tina Doreen Jecke in den Titelpartien die Anstrengung anzuhören war, zeugte der Ensemblegeist von erstaunlicher Solidität. Über all dem Ohrenschmaus hätte man die Inszenierung beinahe vergessen können. Matthias Oldag, der an der Hochschule dramatischen Unterreicht erteilt, griff Krams Betonung der Skurrilität auf, überspannte aber den Bogen mit jugendtheatralem Aktionismus. Auf Grasteppichen, zwischen Baustellenbaken als Grenzsymbolen und in opulenten Kostümen (sämtlich Eigenproduktionen von Ausstatterin Anna Kirschstein) gerieten die Protagonisten durch hektisches Rennen, Leitersteigen und Hürdenlaufen außer Atem. Dennoch spielte das Ensemble wunderbar intensiv, so dass am Ende unter großem Jubel die Groteske den Anspruch erheben konnte, reif für die große Opernbühne zu sein. Christian Schmidt
1999
Leipziger Volkszeitung Sept. 1999
Uraufführung beim Gemeinschaftskonzert in der Alten Börse
Großer Lauschangriff auf dem Mikrokosmos am Wegesrand
>>>>>> Und noch auf weitere musikalische „Rand-Erscheinungen“ stoßen die Musiker die Freunde zeitgenössischer Musik mit der Nase. Etwa in „absolut?Absolut! von Christian Kram. Darin ist vieles relativ: Abrupte Wechsel zwischen beinah elegischen Klangteppichen und hektischen Intervallsprüngen, Tempokontraste und Ton-Hauch-Summ-Kombinationen machen das tiefschichtige Stück zum Erlebnis. Absolut! Weil: Absolut gekonnt kam die Interpretation durch das Blockflöten-Trio „les trois en bloc“ daher: Barbara Engelmann, Susanne Riemann und Anja Wetzki beherrschen ihre Flöten auch dann, wenn sie mal gleich zwei davon im Mund haben.<<< York Freitag
1998
Detmold, Juli 1998
Hochschulforum junger Komponisten 1998
Detmold (ame). >>>>>> Christian Kram, von der Musikhochschule Leipzig, brachte ein faszinierendes Werk auf die Bühne. Der Titel „Lomir sich iberbetn“. Ein altes jiddisches Hochzeits-Lied war Grundlage für die Idee. Der Inhalt: Annäherung und Versöhnung. Die Besetzung: Oboe und Viola. Das Thema Versöhnung wurde zum einen musikalisch dargestellt, zum anderen unterstrich Christian Kram den Inhalt, indem er den Raum einsetzte. Er ließ die Musiker weit voneinander entfernt ihr Spiel beginnen. Im Verlauf des Stückes näherten sich beide Musiker einander immer mehr, bis sie sich am Schluß die Hände reichten. Jüdische Musik liebt die Klarinette. Wer kennt sie nicht, ihre fröhlichen Horas? Aber der Komponist verzichtete auf dieses Instrument sowie auf musikalische Zitate und ließ die Oboe oft eher orientalisch anmutend klingen. Das Stück war in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich — man würde es sich noch einmal anhören wollen. Dieser Wunsch konnte bei anderen Werken nicht entstehen.<<<





